Wenn man die Prämisse von „Basket Case“ noch ein wenig weiterspinnt und etwas David Cronenberg hinzufügt, ergibt sich in etwa die bizarre Mischung der Autorin und Langfilmdebütantin Anna Zlokovic. Dabei hat sie ihren 2021 entstandenen Beitrag zur TV-Serie „Bite Size Halloween“ auf eine abendfüllende Länge ausgebaut, die sich zu keiner Zeit unnötig aufgebläht anfühlt.
Hannah (Hadley Robinson) arbeitet als Modedesignerin bei einem strengen Modezaren (Desmin Borges). Trotz der Unterstützung ihrer Kollegin und besten Freundin Esther (Kausar Mohammed) und ihres Freundes Kaelin (Brandon Mychal Smith) wird sie ständig von Selbstzweifeln geplagt. Eines Tages scheint ihr ein Geschwür aus dem Muttermal an ihrem Bauch zu wachsen, welches kurz darauf eine lebendige Gestalt annimmt, ihrem Körper entweicht und mit ihr spricht. Völlig überrumpelt sperrt sie das kleine Monster in den Keller, bis Hannah erfährt, dass es weitere Menschen gibt, die genau ihr Schicksal teilen…
Auf psychologischer Ebene kann man sich die Chose wie ein lebendig gewordenes Magengeschwür vorstellen: Ständig schluckt man böse Inputs, bis irgendwann der sprichwörtliche Kragen platzt. Zlokovic tut in diesem Kontext gut daran, die Geschichte nicht unnötig mit Zoten anzureichern, denn allein die Tatsache und Herkunft eines Knautschmonsters langt für eine skurrile Grundlage.
Dieses wurde komplett handgefertigt und benötigt keinerlei CGI um das Gesicht zu verziehen oder den dünnen Körper zu bewegen. Später gesellen sich noch einige Effekte in Sachen Body Horror hinzu, bei denen das Make-up hervorragende Arbeit leistet. Leider gerät die Angelegenheit im Mittelteil ein wenig ins Stocken, zumal das titelgebende Anhängsel nach einigen verbalen Tiefschlägen keine blutigen Taten folgen lässt, was sich zweifelsohne angeboten hätte.
Stattdessen bewegt man sich ein wenig mehr auf der psychologischen, wenn auch eher oberflächlichen Ebene, da hier mit einigen Klischees wie den strengen, ignoranten Eltern gearbeitet wird, während in bestehende Beziehungen Zwietracht gesät wird. Dies funktioniert aufgrund der durchweg grundsoliden darstellerischen Leistungen recht gut, doch auch hier hätte man etwas mehr auf Konfliktpotenzial setzen können.
„Appendage“ fühlt sich über weite Teile wie ein Horrorstreifen alter Schule an, was in erster Linie an den handgemachten Effekten, der sparsam dosierten, zumeist eingängigen musikalischen Untermalung und der eher unaufgeregten Erzählweise mit figurenbezogenen Handlungsweisen liegt. Mit etwas mehr Schwung und Boshaftigkeit wäre da zwar noch mehr drin gewesen, doch schon aufgrund der ungewöhnlichen und durchaus markanten Prämisse könnten Horrorfreunde einen Blick riskieren.
Knapp
7 von 10