Haute Couture Body Horror
„Appendage“ klingt nicht nur strange, er ist es nach heutigen Sehgewohnheiten auch. Er verbindet freakigeren Bodyhorror der 80er mit der Mode, dem Humor und den Looks von heute zu einer bizarren Melange aus Texturen, Fleisch, Blut, Eiter, Farben und einem Seelenstriptease, der ein ganz eigenes Gesicht zeigt, als einer angehenden Modedesignerin ein seltsames Wesen aus der Hüfte wächst, das wohl aus ihrem tiefsten Inneren eine Botschaft überbringen will…
Hipster-„Basket Cage“?!
„Appendage“ erfindet das Bodyhorrorrad sicher nicht neu, ganz im Gegenteil, eher werden bereits bewährte Teilchen in die Moderne geholt, verschmolzen und wiederverwertet. Doch das ist nicht unbedingt schlimm. Hadley Robinson macht das als Leading Lady stark. Das Monsterdesign ist schön schräg und schleimig. Es gibt gewagte Mode und Morde, schön dreckigen Humor und ein bedrohlicheres „Body Snatcher“-Worldbuilding im Hintergrund. Doch die größte Stärke in „Appendage“ wird jeder erkennen, der selbst schonmal überdurchschnittlich heftig mit inneren Stimmen, Unruhen und „seelischen Geschwüren“ gekämpft hat, die einen extrem unglücklich machen können, ein Leben lang verfolgen und die sich in diesem Werk hier wortwörtlich nach außen kehren und materialisieren. Selbst das ist alles andere als neu in Sachen Bodyhorror. Das Seele und Körper sich gegenseitig verändern und beeinflussen ist kein heißes Geheimnis, eher ein Grundpfeiler der psychosomatischen Analyse und Krankheiten. Dennoch hat „Appendage“ damit für genug Menschen (mich eingeschlossen) einen sehr intimen, comichaft überzogenen, aber doch sehr realen Blickwinkel und höllisch Methode.
Die innere Stimme nimmt Gestalt an
Fazit: Cronenberg trifft „Phantom Thread“?! „Appendage“ ist stylischer und persönlicher Bodyhorror mit traumatischer Seele und bösem, unterschwelligem Humor. Gefällt mir grundsätzlich. Selbst wenn er etwas aus der Mode gekommen und nicht alle Nähte selbst gesetzt zu haben scheint. Trotzdem effektiv und anders.