Die Iren irren oder die irren Iren?
Ein musikalischer und sehr uriger Folk Horror über eine alte (vor-)irische Ballade, die von einem naiven jungen Musiksammlerpärchen übersetzt wird, wodurch scheinbar gefährliche, dämonische Kräfte aus der Urzeit freigesetzt werden...
Folk Horror Tinnitus
"All You Need Is Death" ist der ambitionierte, aber leider etwas fehlschlagende Versuch irische Volkslieder, nordische Mythen, düstere Legenden und dämonischen Grusel zu fusionieren - wie gesagt, für mich nur leider mit mäßigem Erfolg. Die Klangwelten sind experimentell und ungewöhnlich, gemein und unbequem. Egal ob's Gesang oder den kratzigen Score betrifft. Der Grundgedanke könnte Sinn machen. Und zumindest die ältere Riege an Darstellern spielt sich die faltigen Hintern ab. Dazu ein paar fies-verstörende Narben und Wunden, dieses irische Kneipenflair, das bescheuert-unterhaltsame Konzept der "musikalischen Untergrundgesellschaft". Doch immer wieder flackern massive Störfaktoren auf, die mich aus dem vor allem auditiven Sog herausgerissen haben. Zum Einen das Protagonistenpärchen selbst, bei dem für meinen Geschmack kaum etwas stimmt. Nicht die Chemie, nicht das Schauspieltalent, nicht der Akzent, nicht die Art oder Weise. Das wirkt schief und schäl. Außerdem gibt's für mich bis zum zugegeben starken Finale nur sehr wenig Highlights, Hinweise und Höhepunkte. Alles wirkt auch optisch nicht auf dem Niveau des teils hypnotisch-etherischen Sounds. Und es dümpelt und summt und "singt" vor sich her. Dazu meine gänzlich fehlende Connection zu den wichtigsten Figuren. Fertig ist eine Enttäuschung - gerade wegen den reizenden Ansätzen und einem endlich kurz aufdrehenden Showdown. Wenn die Karten auf dem Tisch liegen sind sie brauchbar. Doch es wird viel zu lang (scheinbar) geblufft.
Genuscheltes Mumbojumbo
Fazit: verstörende, ursprüngliche und rhythmische Ansätze machen die aufgesetzte und irische Spukshow leider nicht direkt zum Erfolg... vor allem durch die ungemein steifen Protagonisten, wenig visuellem Flair und einem elendig langen In-die-Gänge-Kommen fällt diese gesungene Gänsehaut bei mir leider weitestgehend durch. Eunuchensuchen.