Es ist die dritte Verfilmung von A. K. Tolstois „Die Familie des Wurdalak“ von 1839. Mario Bava lieferte 1963 mit „Die drei Gesichter der Furcht“ die erste, eine zweite folgte 1972. Der französische Autor und Spielfilmdebütant Adrien Beau weicht jedoch von den gängigen Tropen des Vampirhorrors ab und wandelt auf den Pfaden einer Groteske.
Irgendwann im 18. Jahrhundert verirrt sich ein Marquis mittellos in einem Wald in Russland und kommt bei der Familie von Oberhaupt Gorcha unter. Als jenes Familienoberhaupt nach sechs Tagen heimkehrt, scheint nicht nur er verändert. Auch der Schrecken, welcher die Familie bereits zuvor umgab verdichtet sich…
Das körnig anmutende Filmmaterial versetzt das Publikum in eine Zeit einige Dekaden zurück. Mindestens bis in die 1980er, aber auch Erinnerungen an klassische Werke aus dem Hause Hammer kommen in einigen Momenten in den Sinn. Allein der Einstieg, wie der weiß gepuderte Marquis unsicher durch den Wald irrt und schließlich auf die verzückt tanzende Sdenka trifft, könnte auch der Beginn einer typischen Draculageschichte sein.
Doch rasch gestalten sich einige Vorgänge mindestens bizarr. In dem kargen Haus wird in der Küche noch grob und blutig gehackt, während sich eines der Kinder betont feminin gibt. Als schließlich der alte Gorcha zurückkehrt, wird es jedoch völlig abstrus. Dieser erscheint nicht als alter Mann, sondern als Skelett, was der Rest der Familie als gegeben hinnimmt. Jenes sieht aus wie eine Mischung aus Gollum und Cryptkeeper und wurde als Marionette in die Szenerie geworfen. Obgleich von der Figur oftmals das Böse angetrieben wird, erscheint das Äußere in einigen Momenten beinahe knuffig, wodurch der Faktor des Unheimlichen unweigerlich verpufft.
Letztlich ereignet sich allerdings nicht mehr viel in Sachen Horror. Um die Laufzeit zu füllen und gleichermaßen bühnenhafte Szenen einzubinden, tanzt man eine Sarabande oder philosophiert mit ausladenden Gesten. Bei einer Beisetzung singen die Slawen plötzlich französisch und obgleich mindestens eine Figur das Zeitliche segnet, gestaltet sich das Treiben weder sonderlich blutig oder gar blutrünstig. Bis auf wenige Ausnahmen erinnert erschreckend wenig an einen Vampirfilm.
Man kann dem Stoff seine ungewöhnliche Gestaltung und die Mischung aus schwarzem Humor und tragischem Familiendrama zugute halten. Hinzu kommen passable Darstellerleistungen und ein atmosphärisch treffsicherer Score, doch in Sachen Spannung ist da wenig mitzunehmen. Im Verlauf der 90 Minuten entsteht kein Mitfiebern, sondern allenfalls der Hauch eines Erstaunens über die eigenwillige Mixtur, die zumindest eine Weile in Erinnerung bleiben dürfte.
5 von 10