Nachdem sie 1939 als etwa 12-Jährige eine Marienerscheinung hatte, die für viel Aufsehen in ihrem Dorf sorgte, scheint der Weg von Narcisa (Aria Bedmar) vorgezeichnet: 10 Jahre später tritt sie als Lehrerin in ein ehemaliges Kloster ein, wo sie junge Mädchen unterrichten soll, während sie selbst auf die Weihen zur Nonne wartet. Letzteres zumindest sieht die Äbtissin, Schwester Sagrario, für die Novizin vor, deren Marienvision in ihrer Kindheit sie dafür zu prädestinieren scheint.
Doch Narcisa kommt von Anfang an nicht mit der neuen Umgebung klar: im Zimmer ihrer Vorgängerin Schwester Socorro untergebracht, erlebt sie vom ersten Tag an seltsame Dinge, die sie nicht einordnen kann und die in ihr Zweifel säen, ob sie an diesem Ort die Richtige sei. Ein öfters umfallender Stuhl, eine von selbst am Boden rollende Heidelbeere oder ein an die Wand gekritzeltes unvollständiges Galgenmännchen sind eher harmlosere Anzeichen, daß an diesem Ort eine unheimliche Präsenz am Werk ist.
Die Novizin versucht dem Geheimnis mit weltlicher Intelligenz auf die Spur zu kommen und gerät dabei immer mehr in Konflikt mit der Äbtissin und ihrer rechten Hand, Schwester Julia, die es gar nicht gerne sehen, wenn ein Neuankömmling in den Spuren der Vergangenheit herumwühlt...
Mit [●REC] hatte Regisseur Paco Plaza seinerzeit Furore gemacht, später folgte mit Veronica - Spiel mit dem Teufel (2017) ein Horror-Thriller um paranormale Phänomene, zu dem der vorliegende Hermana muerte nun eine Art Prequel darstellt. Somit lag die Messlatte schon ein wenig höher, doch die 2023er Todesschwester (so der deutsche Titel) vermag nur optisch zu überzeugen, während der - inhaltlich übrigens völlig eigenständige - Film der Haunted-House-Thematik relativ wenig Neues hinzuzufügen vermag.
Es dauert nämlich schlichtweg zu lange, bis die Dinge ins Rollen kommen: die ganze erste Filmhälfte über bleibt es bei (von der Kamera allerdings feinst eingefangenen) Spukerscheinungen, die auf ein unheilvolles Ende der anscheinend nicht freiwillig verschiedenen Vorgängerin hindeuten. Dabei erlebt Narcisa diverse Visionen, von denen nicht immer klar wird, ob es sich um Alpträume oder reale Vorgänge handelt. Erst in der zweiten Filmhälfte, eigentlich erst im Schlußdrittel, werden dann verhängnisvolle Begebenheiten der jüngeren Vergangenheit in diesem nach den Wirren des spanischen Bürgerkriegs unter neuer Leitung befindlichen ehemaligen Kloster aufgedeckt. Wer diese Art dezent platzierter wohliger Schauer bevorzugt, wird in diesem ausgesprochenen slow burner gut bedient. Wer jedoch etwas mehr Action bevorzugt, wird sich vom Verlauf der Handlung eher enttäuscht zeigen.
Besonders das Finale, dessen (Bestrafungs-)Logik sich mir nicht erschließt (um es spoilerfrei auszudrücken), hinterläßt dann einen insgesamt zwiespältigen Eindruck: zwar gelingt es der Regie, nicht nur in den nächtlich-dunklen Szenen, sondern auch im hellsten Tageslicht im karg eingerichteten Schwesternzimmer durchaus eine spannende Atmosphäre heraufzubeschwören (und das unter Verzicht auf jegliche Jump Scares oder Schnellschnitte), doch das Geheimnis, hinter das Novizin Narcisa schließlich kommt, erweist sich als profan. So bleiben an Hermana muerte nur die engagierten Darstellerinnen und die hervorragende Kameraführung und Produktion bemerkenswert: 5 Punkte.