Mit dem Teufel im Bunde?
Paco Plaza hat mit „[Rec]“ einen europäischen Found Footage-Klassiker geschaffen, mit „Veronica“ Netflix einen gehörigen Gruselhype gegeben und auch abseits dieser größeren Titel in seinem Portofolio selten bis nie gänzlich enttäuscht. Definitiv einer der größeren spanischen Regisseure im Genrebereich. Und er mag Okkulthorror. Und er mag Frauenfiguren. Und da spätestens seit dem „First Omen“/„Immaculate“-Doppelerfolg aus Hollywood dieses Jahr Nonnenhorror wieder/noch immer boomt (und das trotz der beiden suboptimalen „The Nun“-Blockbuster aus dem Conjuringverse als Blockbusterabschreckungen in dieser Nische!), durfte er wieder für Netflix ran und eine junge Klosternovizin mit möglicherweise heiliger (oder teuflischer) Vergangenheit gegen innere wie äußere Dämonen kämpfen lassen…
Glauben verschätzt Berge
„Die Todesschwester“ sieht mit seinem kompakten Bildverhältnis, der oft natürlichen Beleuchtung und dem nahezu gänzlichen Verzicht auf Jumpscares erstmal in meinen Augen sehr gut aus. Das ist atmosphärisch, das ist aufwändig in ein paar Setpiecemomenten, das biedert sich aber nicht beim Massenpublikum an. Eine reine Geisterbahn im Kloster wird’s zum Glück nie. Zudem wirken die Kinderdarstellerinnen natürlich, die Atmosphäre ist höllisch dicht und seine oldschooligen Vibes der Siebziger sind spürbar und unter Horrorfans gerne gefühlt. Die allerdümmsten Plattitüden Hollywoods sind nicht auf den ersten Blick zu vernehmen. Jedoch würde ich eher sagen, dass sie in europäisch-stilvolle Gewänder gepackt worden sind. Und „Sister Death“ nicht viel besonderer und durchdachter, cleverer oder tiefer ist als das, was die Traumfabrik dazu in letzter Zeit geschustert hat. Ja, er ist hübscher. Ja, die knackigen 90 Minuten werden gut genutzt. Und die Hauptdarstellerin gibt alles. Doch im Endeffekt bleibt Plazas Nonnengruselkabinett (abgesehen vom wirklich exzellenten Look!) dann doch austauschbar, blass und ein Blender. Denn hinter seiner aufregenden Fassade befinden sich dann doch sehr viele, eventuell sogar ausschließlich bekannte und ausgetretene Pfade, Muster, Taktiken. Ich sage nur Träume, Keller und Erscheinungen. Ein wenig Del Toro light. Und so verschwimmt „Die Todesschwester“ zu einer grauen Masse aus Klosterenden, weißen Gewänden und scheinschwangeren Momenten. Hier kommen einfach nicht alle Teilchen Plazas Können zusammen. Ein Schnarcher… wenn er äußerlich nicht so verdammt attraktiv wäre!
Fazit: Aussen hui, innen pfui… „Die Todesschwester“ siebt hübsch aus, zeigt aber überdeutlich, dass es Europa genauso mit Klischees und Leerlauf in diesem Genre hat wie die Traumfabrik. Kein Stinker, von mir kriegt er aber auch keinen Winker. Durchgangsverkehr.