Glaubhafte Dialoge mit zu wenig Haaren auf den Zähnen
Nachdem Larry Fessenden vor ein paar Jahren mit „Depraved“ schon den frankensteinigen Weg auf seine Art gegangen ist, traut er sich nun in haarigere aber kaum weniger klassisch-horrorhafte Gefilde: Ein Maler und ehemaliger Alkoholiker kämpft nicht nur gegen Leere, Rückfälle und Vorurteile in seinem Leben - sondern vor allem machen ihm und seinem oft hasserfüllten US-Kaff seine nächtliche Triebhaftigkeit und Verwandlungen immer an Vollmonden zu schaffen…
Wo bleiben die Mettenden, Herr Fessenden?!
Man merkt, dass seine Figuren ihm am Herz liegen. Das schreibt und inszeniert und führt das Unikum und die Charakterfresse Larry Fessenden sehr gut. Seine Charaktere wirken und sprechen echter und kantiger, ungekünstelter und fühlbarer, näher und normaler, unüberlegtere und spontaner als üblicher Hollywoodkram. Selbst im B-Movie-Bereich. Da hört man gerne zu, selbst wenn es sich mal zieht oder gerade kein Werwolfhorror ansteht. Kein „Fargo“, aber es geht in diese Richtung. Noch alltäglicher, gemächlicher, akuter. Apropos Werwolfaction: Die gibt’s zwar, aber sie steht absolut nicht im Mittelpunkt. Viel mehr geht es um Klischees und Vorurteile, um Loyalität und Gruppendynamik in einer solchen hinterwäldlichen Gemeinschaft, um Selbstkontrolle und Hetze, um Einwanderung und Freundschaft, um Selbsterfüllung, Stammbaum und Instinkte. All das wird mindestens angeschnitten. Das ist unüblich für einen „Genrefilm“. Das verlangt dem Werwolf-Subgenre viel mehr als gewöhnlich ab. Und das lässt mich vor Fessenden noch mehr Respekt haben als ich es eh schon tat. Ich mag den Mann. Wie könnte man das nicht. Und dennoch kann ich gleichzeitig jeden Fan von lycanthrophischen Schlachtplatten ebenso oder vielleicht noch ein Stück besser verstehen: in Sachen Genre, Gore, Grusel und auch Masken, Make-up, Magenverdrehungungen liefert „Blackout“ über seine im Subgenre überdurchschnittliche Laufzeit einfach viel, viel, viel zu spärlich mal überhaupt etwas.
Fazit: „Blackout“ hat authentische Gespräche und Figuren, bei denen man durchgängig merkt, dass sie Fessenden wichtig sind und am Herzen liegen. Und das wird von den meisten Darstellern zudem gut transportiert. Leider bleibt er in Sachen Werwolfhorror dadurch nahezu gänzlich auf der Strecke und wirkt lahm, träge, trügerisch, talky. Irgendwie sympathisch, aber nicht das komplette Paket. Nichtmal ansatzweise.