Nach Emily Rose, Gretchen Lang, Anna Ecklund und einigen mehr fügt sich nun auch Lara Levonde in die Liste jener Personen ein, die sich den Praktiken eines Exorzismus unterzogen haben. Als Inspiration diente ein Fall, der sich Anfang der 90er in Australien ereignete und nicht unbedingt den erwartbaren Verlauf einer typischen Austreibung einschlägt.
Australien 1994: Der gläubige Ron (Dan Ewing) ist fest davon überzeugt, dass seine Frau Lara (Georgia Eyers) von Dämonen besessen ist. Sie schlafwandelt und tanzt währenddessen nackt durch den Garten und zeigt sich zunehmend launischer. Die Sitzungen bei einer Therapeutin scheinen keine Fortschritte zu bringen, weshalb sich Ron an Daniel (Tim Pocock) wendet, der als Exorzist teils untypische Methoden anwendet…
Die Stimmung driftet recht früh ins Unbehagliche ab, als in einer Kirche unter versammelter Mannschaft eine Austreibung durchgeführt wird, bei der auch Ron zugegen ist. Lara war hingegen schon länger nicht mehr in der Kirche und benötigte nach einem Schicksalsschlag psychologische Hilfe, wobei jenes Trauma augenscheinlich noch immer nicht verarbeitet, geschweige denn angesprochen wurde.
Erste Anzeichen einer Besessenheit scheinen die atypischen Verhaltensweisen beim Schlafwandeln zu sein und auch das plötzliche Fluchen Ron gegenüber deutet auf eine dämonische Präsenz hin. Auf der anderen Seite gibt es beinahe ebenso viele Anzeichen für eine psychische Störung mit schizophrenen Zügen, die problemlos rational erklärt werden könnten, so dass das Publikum zwischenzeitlich Zweifel bekommen dürfte, ob im Zuge des Exorzismus nicht vielleicht nur Blender und Geblendete mitmischen.
Regisseur Nick Kozakis legt seine Geschichte bewusst aufs Zweifeln aus, lässt Aspekte des Glaubens wie die der Medizin einfließen, während sich die Anteile des Horrors auf ein Minimum begrenzen. Etwaige Jump Scares sollte man nicht erwarten und auch die hinlänglich bekannten Verhaltensmuster einer heimgesuchten Person bleiben weitgehend außen vor. Zwar taucht zwischenzeitlich der Teufel höchstpersönlich auf und einige entstellte Fratzen mischen am Rande mit, doch der eigentliche Horror geht aufgrund einer möglichen Eskalation deutlich tiefer.
Der in nur 20 Tagen abgedrehte Stoff kann sich nicht nur handwerklich sehen lassen, auch darstellerisch ist er hervorragend besetzt. Georgia Eyers legt ihre Figur als höchst zerbrechliche Persönlichkeit ein, die, vielleicht aus Boshaftigkeit oder Verzweiflung auch mal mächtig aus der Haut fahren kann. Ewing mimt den verzweifelten Ehemann recht überzeugend, während Pocock als arrogant auftretender „Soldat Gottes“ stets am Rande des Overactings performt, jedoch mit einer soliden Präsenz überzeugt. Auch der Score ist als Pluspunkt zu verbuchen, der phasenweise sehr eindringlich anmutende Themen liefert.
Wer die üblichen Spezialeffekte und ein wenig Geisterbahnspuk erwartet, dürfte wahrscheinlich enttäuscht werden, doch die Stärke des Streifens ist eben jene Abkehr vom Konventionellen im Kontext mit einiger Psychologie. Der Verlauf nimmt zunehmend in Beschlag und trotz seiner Einfachheit hinterlässt er einen durchaus bleibenden Eindruck.
Nicht nur reinen Horrorfans zu empfehlen.
7,5 von 10