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Bei dem Titel Violent Cop denkt man notgedrungen und natürlich auch zu Recht nur an Takeshi Kitanos fulminantes Regiedebüt aus dem Jahre 1989; die Geschichte eines kaltblütigen, aber unbestechlichen Polizisten, der sich trotz seiner nicht immer legalen Mittel der Übermacht des Feindes stellen muss.
Kurz vor der Jahrtausendwende kamen zwei kantonesische Produktionen heraus, die sich dann ebenfalls dieses Titels bemächtigten, aber allein dadurch natürlich nicht mehr Aufmerksamkeit erhielten. Sie wurden allerhöchstens einprägsamer, was aber einen Erfolg bei Publikum oder gar Kritikern wie beim Namensvetter weder garantierte noch generalisierte.
Beides sind relativ unbekannte Werke; dieser hier vermag allein durch seine Besetzung noch einige Zuschauer angelockt haben, blieb aber auch bei eher wenigen HK $83,595.00 stehen. Violent Cop # 2 schaffte es gar nur auf ein Einspiel von HK $1,900.00, aber mit einem Regisseur wie Kant Leung und einem Cast bestehend aus Patrick Tam, Tony Ho und Chapman To lockt man keine Massen ins Kino.

Beide Filme haben auch gar nichts mit dem Kitano – Bildnis zu tun und das hier vorgestellte Werk rechtfertigt den Titel auch überhaupt nicht; erzählt wird nicht die Geschichte eines violenten Polizisten, sondern die Jagd nach einem Mörder.
Derartig fängt der Film auch an; durch Nachrichten werden die bisherigen Tötungsdelikte vorgestellt und der Zuschauer über das Setting informiert. Der „Cross Killer“ schlug diesen Monat bereits 5x zu. Immer männliche Opfer, offensichtlich Freier. Immer die Kehle durchtrennt, das Glied abgeschnitten, ein Kreuz in die Zunge geschnitzt und darauf das Heilige Brot plaziert. Nach der intonierten Einführung observiert in einer extrem regnerischen Nacht der Polizist Yuen Wai Hau [ Moses Chan ] die Gegend um die Gefahrenzone Portland Street, während parallel dazu sein Kollege und ehemaliger Freund Cuba Koo [ Michael Wong ] in einer anliegenden Kneipe seinen Geburtstag feiert.
Hau entdeckt einen weiteren Toten und verfolgt den mutmasslichen Täter bis in die Kneipe, wo ihn der nunmehr verfeindete Koo aufhält; weil er denkt, Hau will sich wieder an seine schwangere Frau heranmachen. In der Sekunde stürmen Gangster den Laden, eine Schiesserei entbrennt, Koo trifft mehr aus Versehen Hau in den Kopf.

Als Einstieg ist das gelungen; es wird die Prämisse voran- und eine der späteren Figuren vorgestellt, der Ton bereits gesetzt und damit die Atmosphäre aufgespannt. Eingerahmt ist die Stimmung von einem Horrorfilm, oder doch eher Horrorthriller; die Polizeiarbeit jedenfalls nicht dermassen interessant, dass ein Cop Actioner daraus wird. Dazu wird gleich dreimal unfeines Drama dazu gewebt, die Charakterisierung vollzieht sich über eine unheilvolle Ménage à trois unter Männer. Dem Cop Koo, dem schnell identifizierten „Cross Killer“ Tse Chun Mao [ Wayne Lai ] und dem dazwischen stehenden Zuhälter Tai Pan Kim [ Anthony Wong ], der vor allem seine minderjährige, jungfräuliche Tochter Cee aus der Sache heraushalten will.
Wie im Prolog ist die narrative Zusammenarbeit zwischen den statuierten Figuren mal in seiner übergreifenden Lebensweise gelungen und mal hängt es partout von zu vielen Zufällen ab, wer nun warum mit wem agiert oder interargiert.
So arbeitet Mao als Kantinenchef im Polizeirevier und läuft deswegen Koo schon automatisch über den Weg; warum sich dieser aber ausgerechnet an den abgehalferten Pimp Tai Pan als Informanten und Mitstreiter wendet wird dann nicht geklärt. Auch andere Weiterführungen schliessen nicht immer Logik und Wahrscheinlichkeit mit ein, aber davon ging man nach den Castangaben auch nicht wirklich aus.

Regisseur Steve Cheng verfügt zumindest über genug Erfahrungen auf dem Sektor des B – Movies, dass er nach Filmen wie Rape Trap, Rules of the Game, Horoscope I : The Voice from Hell, Horoscope II : The Woman from Hell und Bio – Cops mit der Materie vertraut ist und die häufig schräge Kamera in angemessener Weise bedienen kann. Dass er anders als sein Regiekollege Benny Chan nach der Kollaboration Man Wanted [ 1995 ] keine grösseren Aufträge bekam und sich keinen weiteren Namen machte, liegt dann aber auch an der immer präsenten Mittelmässigkeit, die seine komplette Filmographie umgibt und auch hier eindeutig vorzufinden ist. Wenigstens kann er seine Darsteller halbwegs in Szene setzen und weiss vor allem, mit den üblichen Zutaten Rauhes Wetter, Dreckige Gegend, Dunkle Zimmer, Kälte zwischen den Akteuren und der Einrahmung Bezahltem Sex und Ausgelebter Gewalt soviel anzufangen, dass das Milieu der Story passend unangenehm und relativ abstossend wird. Ausserdem hält er die Kontakte der Dreierbeziehung erfreulich abwechselnd und gesteht jedem der Figuren eine weitere Beobachtung zu, ohne in Wiederholungen oder sinnleeren Dialogen abzuschweifen. Auch einige Suspensemomente werden gut gesetzt und hätten eine geeignetere filmische Umgebung verdient.

Dass nichts Besseres als – wenn überhaupt – blankem Durchschnitt dabei herauskam, liegt an dem dennoch einfallslosen Skript, welches sich nur aus traditionellen Versatzstücken bedient und von vorne bis hinten kaum Überraschungen aufweisen kann. Hat man ja alles schon irgendwo gesehen. Vor allem der streng religöse Killer, der Bibelzitierend die Welt reinigen will und selber den Verlockungen nicht ganz gefeit ist, ist nicht erst seit Ken Russells China Blue - Bei Tag und Nacht [ 1984 ] ein alter Hut und bedarf und verträgt auch keine weitere Ausführung. Zumal den beiden Extremem der Sexualität - erzwungene Keuschheit und Selbstgeißelung auf der einen Seite und dem käuflichen, ungeschminkten Triebabbau auf der anderen – hier keine weitere Betrachtung zukommt und die reine Mordhatz aufgrund einer weitgehend gewissen Spannungsarmut kein allzu starkes Eigenleben entwickeln kann.
Da hilft es auch nicht, dass die drei ergänzenden Porträts immer nur Abrisse eines Zustandes darstellen und abgesehen einiger weniger Szenen nicht wirklich glaubhaft wirken; entweder es fehlen wichtige Details oder es spielen Zufälle und Fügungen wieder zu sehr Schicksal. So zum Beispiel wird das Verhältnis von Koo zu seiner ihn plötzlich meidenden Frau nie wieder erwähnt; und er selber wegen seines friendly fires auch überhaupt nicht belangt, nicht mal gerügt oder dergleichen. Der gesamte Beginn dient dann nur als Erklärung für ein nachfolgendes Trauma: Koo traut sich partout nicht mehr, seine Kanone anzufassen; auch angesichts dessen steht keine Beurlaubung oder wenigstens eine psychologische Untersuchung an. Auch nachdem er sich vom aktiveren Zivilisten Tai Pan die Waffe abnehmen lässt und dieser mehrmals in der Gegend rumballert, ist die Angelegenheit ohne grosse Probleme schnell bereinigt. Da ist es auch nicht wirklich glaubwürdig, dass Koo und Tai Pan nur unbeschadet aus der Sache herauskommen, weil sie im Gegensatz zu dem sie anzeigenden Officer englisch sprechen und sich deswegen gegenüber dem britischen Supervisor verständlich machen können. 1997 ist vorbei; unter chinesischer Regierung sind die Engländer wohl kaum die einzigen Ansprechpartner in der Hirarchie.

Blödsinn dieser Art muss man manche Male in Kauf nehmen. Und leider ist das Sujet durch seine Konzentration auf die Killermomente – es gibt übrigens zwei davon – zu sehr abgelenkt, um abgesehen von dem soweit ordentlich umgesetzten Einstieg gross an Action zu denken; aber das Budget hätte trotz der Finanzierung durch Jing‘s Production Limited wohl auch nicht für Ausschweifendes gelangt. Am Ende läuft Mao Amok, was noch Einiges an Shootouts miteinbringt; wird aber getoppt durch die Performance Anthony Wongs, der sich wieder einmal mit den seltsamsten Dialogen abmüht:
- „Satan !“
- „So it‘s you ?“
- „Cee has united with me, you have no more chance. I‘m here today to send you to hell. Get up.“
- „I‘m dumping shit, maybe another day.“
- „Get up.“
- „No...I haven‘t finished yet...“


Ein Campklassiker wie Devil 666 – Satan Returns wird allein dadurch noch nicht draus; man bewegt sich eher in den Gefilden von God.com. Wer derlei mag kommt auch hier irgendwie auf seine Kosten; für Videofutter ist es abgesehen vom mühsam drangeklatschten Happy End auch durchaus okay, aber auf die grosse Leinwand gehört es doch eher nicht.

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