Colt liefert's!
Weder meine Generation geschweige denn die noch Jüngeren haben den originalen Colt Seavers je bewusst im TV in Aktion gesehen. Die Marke „The Fall Guy“ ist also längst kein Publikumsmagnet mehr für Hollywood. Regisseur David Leitch, selbst ehemaliger Stuntman, ist das ebenso nicht. Und selbst Stars wie Emily Blunt und Ryan Gosling sind heutzutage längst keine selbstlaufenden Marken und Hitgaranten mehr. Die Zeit der großen Namen ist nahezu vorbei. Ein Film wie „The Fall Guy“ muss also durch andere Dinge - wie Geschichte, Trailer, Schauwerte, Poster, Prämisse. Look - und gewissermaßen auch etwas Mainstreammundpropaganda überzeugen. Ob das in diesem Fall reicht, um den Blockbustersommer standesgemäß und einigermaßen erfolgreich zu eröffnen, stelle ich mal in Frage. Ob mich „The Fall Guy“ dennoch ganz nett unterhalten hat? Ja, definitiv. Es geht um einen charismatischen Stuntman, der eine On-Off-Beziehung mit seiner Traumfrau und Regisseurin am Laufen hat. Doch das plötzliche Verschwinden des Stars des Films kommt der jungen Liebe in die Quere und der wagemutige Colt wird damit „beauftragt“ den bescheuert-egoistischen Hauptdarsteller des Blockbusters ausfindig zu machen…
Ein Sold für alle Fälle
Leitch kann leichte Unterhaltung. Absolut. Schon „Deadpool 2“ und „Bullet Train“ waren einwandfreie, wenn auch nicht sonderlich bleibende Sommerblockbuster. Und im Grunde reiht sich „The Fall Guy“ da erwartungsgemäß und einwandfrei ein. Blunt und Gosling haben durchaus Chemie. Etwas professionell und glatt vielleicht, aber Chemie bleibt Chemie. Der Soundtrack mit vielen 80er-Hits und der Look bzw. die Ausstattung und Hommagen mit z.B. „Miami Vice“-Jacken - genau mein Ding! Vielleicht etwas plump, aber ich beschwere mich sicher nicht. Ein solider Dateflick obendrauf. Süßer Gastauftritt vom „alten Team“ am Ende. Dazu eine dicke Prise Selbstironie zum Hollywoodgame. Und eben der dicke Stein im Brett, den Stuntteams dieser Filmwelt mehr Aufmerksamkeit und Respekt zu geben. Das ist alle Ehre wert! Dennoch gibt’s bei „The Fall Guy“ für mich auch deutliche Hindernisse und Stolperfallen, die ihn etwas ausbremsen. Z.B. die Stunts und Action höchstpersönlich, die eher artifiziell und by the numbers wirken. Und das ist natürlich hier doppelt erstaunlich und ärgerlich. Gerade wenn man im coolen Abspann sieht, dass vieles wirklich, haptisch gedreht wurde und nur in der Post Production dann scheinbar versiebt und verklebt, glatt gebügelt und nachbearbeitet wurde. Schade. Dazu kommen oft Gedanken an „The Nice Guys“ auf, wo er den Vergleich in jeder Beziehung nur verlieren kann. Und für mich persönlich am schlimmsten bzw. mit dem größten „Macht den Film bzw. die Handlung ziemlich nichtig“-Effekt: das dauernde Augenzwinkern, die Ebenen bzw. die beschädigte Metawand, die diese mainstreamig-ungefährliche Action-Komödie ständig umgibt und jegliche Gefahr, Härte, Überraschung und Ernsthaftigkeit herausnimmt. Man spürt nie den Hauch von Gefahr, Angst oder bleibenden Schäden. Alles bleibt enorm… egal.
Ohne Fallhöhe
Fazit: solide Sommerblockbusterunterhaltung aus Hollywood. Starbesetzt und oberflächlich. Einzig und allein die gute Absicht dem Stuntjob allgemein mehr Ansehen, Standing und Respekt zu verleihen bleibt hängen. Der Rest ist kalorienarm, spaßig und schnell vergessen.