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Sorry, but he is the Unknown Stuntman...


Eine der grossartigsten Actionserie der 80er Jahre hat leider hierzulande immer noch keine entgültige Heimauswertung erhalten. Bisher schafften es lediglich zwei Seasons auf DVD, dann wurde gestoppt, aufgrund des Ablebens von Colt Seavers Synchronsprecher Hans-Werner Bussinger. Howie Munson Sprecher Thomas Danneberg verstarb ebenfalls 2023. Schwierig also, solche Urgesteine, deren Stimme wir gewohnt sind, zu ersetzen und für eine Neusynchro startklar zu machen. Ärgerlich für Fans allemal. 2024 sollte ein Revival der Kultserie im Filmformat an den Kinostart gehen. Action-Spezi David Leitch nahm sich diesem an. Sammelte er ordentlich Erfahrung und Pluspunkte durch Knaller wie: "Bullet Train", "Dead Pool 2" und "John Wick". Diesmal sollte es allerdings anders laufen; denn einem zeitlosen Gral der 80er Epoche nachzufrönen, das erwies sich schon immer als schwierig. Und auch so belegten dies unwiderruflich die Einspielergebnisse, die den Kohl nicht wirklich fett machten. Ausser Spesen nix gewesen!

Der durch einen verunglückten Stunt am Rücken verletzte Stuntman Colt Seavers kehrt der Branche den sprichwörtlichen Rücken. Dann bekommt er das Angebot, Teil des Filmes "Metalstorm" zu werden, in dem seine ehemalige Partnerin Jody Moreno Regie führen soll. Er willigt ein, doch Hauptdarsteller Tom Ryder verschwindet spurlos von der Oberfläche. Die Produzentin Gail Meyer beauftragt dahin Colt, den verschollenen Megastar aufzuspüren, damit das Projekt weiterlaufen kann. Das führt zu allerlei Turbolenzen und ungewollten Stunteinlagen, die sich Colt gerne erspart hätte. Dabei tappt er auf ein Geheimnis, das ihn zur Zielscheibe macht.

Hommage oder Neuauflage der Kultserie, um den Stuntman, der auch Kopfgeldjäger war? Das bleibt hier die Frage! Oder wollte Leitch doch eigene Wege beschreiten? Darüber lässt sich streiten. Fakt ist, das "The Fall Guy" versucht, der Serie Nuancen abzugewinnen und doch letztlich eigene Pfade einschlägt. Für eine Neuauflage eher missraten, für eine Verbeugung etwas zu halbherzig und das, obwohl der Original Serienheld in persona: Lee Majors nebst Heather Thomas einen Kurzauftritt absolviert (allerdings erst im Abspann).

Das Filmstuntgeschäft wird präzise beleuchtet, die Story angepasst und locker flatterig. Knochenharte Stuntaufnahmen gut eingefangen und selbst Ryan Gosling tut gute Mine zum mittelprächtigen Spiel, doch wird er Majors nie das Wasser reichen können. Dafür fehlts an Finesse und zündelndem Witz. Denn Gosling kaspert den ganzen Film über auf Teufel komm raus herum, doch selten zündet ein Gag. Somit funktioniert "The Fall Guy" als eigenständiger Film ganz gut, als Remake der Serie weniger. So lassen sich Cousin Howie Munson schmerzlich vermissen und der achso beliebte Titelsong von Lee Majors: "The Unknown Stuntman", der zwar im Abspann befremdlich besungen wird, aber nichts wett machen kann.

Die Chemie zwischen Emily Blunt und Ryan Gosling steht im guten Kontrast und auch Jason Momoa gibt am Schluss eine routinierte Darbietung, aber alles in allem funzt die Actionkomödie nicht so ganz. Zumal sich der Streifen keine Minute ernst nimmt, trotteligen Humor a la "Der blonde mit den schwarzen Schuhen" nacheifert und die Handlung lange Endlosschleifen fährt, mancherstellen regelrecht zerfahren und chaotisch wirkt. Der Faden geht teils flöten, Spannung wird überbewertet, die Nostalgiemucke recht auffällig oft deplaziert. Macht aber nixe, mit handfester Action wird bis zum Abwinken geklotzt; Explosionen, Verfolgungen und Keilereien stehen hier im Tagesangebot. Mainstream - Fans können sich hier sattsehen. Für Nostalgiecracker gibt's halt nur den Cameo-Wermutstropfen am Schluss. Trotzdem ansehliches Chaotenschmankerl mit gewissen Charme.

Als Neu-Remake zu verachten. Als Film im eigenen Interesse durchaus geniessbar. Gosling, der sich für keine Rolle zu schade ist, liefert beschaulich ab, leider zu trottelig- naiv in einem Chop Suey mässigen Plot mit Schwächen, kaum Spannung. Routine in Sachen Action gebührt Leitch. Seichtes Comedy-Entertainment.


Ist die FSK:12 Freigabe gerechtfertigt? Saftige Actionsequenzen und brachiale Faustkampfkost sind für jüngere nicht konsumierbar. Aber für 12jährige gut zu vertragen, da auch viel Humor im Vordergrund steht.

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