Ich wünsche mir die Disneymagie zurück
Disney hat (auf) „Wish“ bestellt… Nicht nur wegen dem 100. Jubiläum von Disney und dem wunderschönen Look von „Wish“ - zwischen 3D und aquarell-handgezeichnet mit vielen Vermerken auf die dutzenden Klassiker des Maushaus' - hatte ich durchaus große Hoffnungen in diese Feier und Modernisierung der Vergangenheit, der Muster, der Klischees. Und auch wenn sich Disney insgesamt schon in einer heftigen Krise befindet, haben sich viele der Animationshits aus den letzten Jahren, wie „Encanto“ oder „Moana“, absolut fest in mein Herz und meine Rotation gespielt. Andere waren gut, aber schnell vergessen, wie „Raya“ oder „Strange World“. Von kriselnden Grossmarken des Hauses wie dem MCU oder Star Wars will ich gar nicht erst anfangen. Dennoch musste man für die Animationssparte besonders zu diesem massiven Jubiläum die Erwartungen meiner Meinung nach nicht allzu tief stapeln. Umso trauriger, dass mit „Wish“ ein dermaßen austauschbarer und blasser Retortendisneymischmasch entstanden ist, der alte wie neue Fans kaltlässt… Über ein Königreich, wo ein beliebter, attraktiver Magier ausgewählte Wünsche wahr werden lassen kann. Und die junge Asha und ihre süße Ziege hätten da ein paar Ideen, Sehnsüchte und Träume. Aber natürlich hat alles einen oder mehrere Haken…
Dieses Material ist recyclebar
„Wish“ gehört zwar zur offiziellen „Meisterwerkliste“ von Disney. Ich würde ihm diesen Titel aber weitestgehend, selbst unter aktuell gesenkten Disney-Standards, absprechen. Aus vollster Seele. Als Disneyfan. Und das ist schon ein böse-trauriges Statement. Aber leider nicht anders machbar. Die Synchronsprecher sind motiviert (habe im O-Ton geschaut). Die kleine Ziege ist knuffig. Die Idee Hintergründe und Hommagen an Klassiker von „Schneewittchen“ bis „Frozen“ anzulehnen, ist ehrenwert und irgendwie sinnvoll zu diesem Jubiläum. Und visuell ist das teils auch wirklich atemberaubend elegant, hübsch, schön. Aber ansonsten ist das Stangenware. Und das sollte Disney und allen Fans nicht reichen. Die Songs ziehen für mich nicht. Die Augenzwinkern und Metaverweise wirken aufgesetzt. Die Figuren wirken wie wiedergekäut. Die Geschichte ist überraschungsarm und nicht mehr auf dem Stand der Zeit. Da braucht es heutzutage, in Zeiten von „Nimona“ oder dem „Spiderverse“, einfach mehr. Ich glaube aber selbst vor 30 Jahren wäre das schon zu wenig gewesen. Dienst nach Vorschrift. Ohne Leidenschaft, vollkommen Disney-Malen-nach-Zahlen. Und das zu realisieren schmerzt. Denn ich bin wirklich Fan so, so vieler ihrer Meisterwerke. Von meiner Kindheit über Filmklassiker wie „Pinocchio“ bis zu jüngeren, wundervollen Kinoerinnerungen wie „Wreck-It Ralph“ - das sind alles unvergessliche Momente! Disneymeisterwerke waren mal Events und bleibende, prägende Knaller. Und zu „100 Jahre Disney“ hätte dazu ein ganz dickes Geschütz hinzugefügt und aufgefahren werden sollen. Aber „Wish“ enttäuscht auf den entscheidendsten Linien. Nicht lustig, nicht magisch, nicht süß. Oder zumindest nur in kürzesten Momenten. Valentino, die kleine Ziege, ist wie gesagt herzergreifend. Die Message ist jetzt nicht ganz dumm. Und der Look ist mal etwas anderes, kreativ und innovativ. Aber Geschichte, Figuren, Musik und Emotionen dahinter wirken nicht ehrlich. Und das ist ein Genickbruch. Ich war stellenweise nicht nur gelangweilt, sondern geschockt.
Geschichte trifft Zukunft? Na dann Prost Mahlzeit!
Fazit: trotz seiner visuellen Frische und netten Grundgedanken… „Wish“ ist enttäuschender Durchschnitt. Von den beliebigen Songs bis zu den Figuren. Alles könnte eine K.I. als Disney-Best Of zusammengemischt haben. Vollkommen ohne eigene Identität, ohne Magie, ohne Charakter, ohne Überraschungen oder Kanten. Wie eine Rose geboren im Labor ohne Dornen. Das sollte selbst/gerade in Krisenzeiten nicht Disneys Anspruch sein. Da muss mehr kommen. Da ist etwas faul.