Review

The Bait

Lange Zeit verschoben und gefühlt fast auf Eis gelegt, dann doch allein aufgrund Gareth Evans bisherigem Output zu einem der heisserwartesten Actiontitel seit langem gereift. Nun ist „Havoc“ auf Netflix endlich da - und erzählt von einem ruppigen Polizisten mit Dreck am Stecken, der in einer eisigen Weihnachtsperiode wortwörtlich in die Schussbahn der Triaden und Kleinganoven gerät… fliegende Waschmaschinen inklusive! 

(Nicht) Nur die weißen Tauben fehlen…

Vielleicht tun die zu hohen Erwartungen (sicher nicht nur bei mir) „Havoc“ nicht allzu gut. Denn wenn man zu sehr die Erfolge aus Evans Heimat im Kopf hat, die allerhöchste Actionkunst und einen echten Topfilm erwartet, wird man hier schnell und erstaunlich heftig enttäuscht werden. Und irgendwie bin ich das auch. Schockierend schlechte CGI-Übergänge samt Autoverfolgungsjagden gefühlt aus der PS3-Pixelhölle. Viele Figuren - wenige davon „ausgemalt“ und interessant. Zwischen zwei großen, guten Actionsequenzen (Club und Waldhütte) gibt’s eine Menge Leerlauf. Und selbst diese längeren Highlights haben nicht den ganz großen Impact, die Kreativität und die Giftigkeit, die sie haben müssten um einen zu wowen oder umzuhauen. Doch es kommt wie gesagt (und wie immer) auch auf die Erwartungen an. Für einen kurzen Freitagabend und mit etwas eigener Unterhaltung (Bier, Kumpels, Toilettengang, Gespräche, Witzchen auf der Couch) geht das auch dank der relativ kurzen Laufzeit noch okay durch. Gerade im Vergleich zu anderen, noch austauschbareren Actionproduktionen vom großen, roten Streaming-„N“. Aber der große Wurf sieht einfach anders aus und fühlt sich anders an. „Havoc“ wird mir viel weniger in Erinnerung bleiben als gedacht. Schlecht ist selbstredend auch anders. Aber er wird eben nur nicht im Gedächtnis bleiben - weder positiv noch negativ. Auf neutralem Grund. Er fühlt sich leider fast mehr nach „Netflix“ als nach „Evans“ an. Und das war hier nicht mein Anspruch… Leider näher an Woos „Silent Night“ als an Woos „A Better Tomorrow“. 

Ein Elternduell

Fazit: der Showdown in der Waldhütte ist ruppig, bleihaltig und fein. Die auffällig vielen Nods zu John Woo sind gerne gesehen. Hardy macht was er muss, ich mag ihn sehr. Aber insgesamt bleibt „Havoc“ zu lange erstaunlich austauschbar, generisch, passiv und beliebig. Da hatte ich (deutlich) mehr erwartet. Aber wer weiß, was da in der jahrelangen Produktionshölle alles schief lief und wieviel „Evans“ das überhaupt noch ist… 

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