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Vier Jahre Produktionshölle, zwischenzeitliche Nachdrehs und jetzt bei Netflix statt im Kino, da kann doch etwas nicht stimmen!?
Die zwei Zugpferde der Produktion sind der Regisseur und der Hauptdarsteller. Mit den "The Raid" Filmen hat Gareth Evan moderne Genre-Klassiker geschaffen. Leider übernimmt er den Part, der aktuell das Ding in den Sand setzt. Tom Hardy ist, was man erwartet, ein hartes stumpfes Stück Holz, ein humor- und moralbefreiter Bruce Willis. Gewalttätig, rücksichtslos, korrupt, als Gesetzeshüter immer an der Grenze zur anderen Seite. Nein, schon weit darüber, unsere Heldenfigur ist eigentlich echter Abschaum. An dieser Stelle war das Potenzial für einen Kracher gewesen, ein zeitgemäßer roher Cop-Thriller, durchaus auch mit weniger Action. Aber vermutlich aus Gründen von falsch kalkulierten Fan-Erwartungen setzt man alles auf Abriss. Ich werde auch das Gefühl der Uneinigkeit über das Konzept nicht los, da laufen praktisch drei Parallel-Filme, andere Tonalität, andere Bilder, anderes Gefühl. Die Hintergrundstory wirkt geerdet, Neo Noir. Die Straßen-Action dagegen unpassend künstlich, wie ein Sin City Abklatsch, sprich eher „Neon Noir“. Noch befremdlicher die Kampfchoreografien, Hallo "The Raid", Hallo "John Wick", weil wirklich hässlich mittels CGI entstellt. Dauereinsatz, offensichtlicher Dauereinsatz, irgendwann einfach nur noch nervig. Steht das Zielpublikum auf so etwas, ich glaube nicht?! Langsam muss doch jeder an den entscheidenden Stellen begriffen haben, dass diese entgleisten Technisierungen nicht gleichzusetzen sind, mit dem Ruf nach überstilisierten Gewaltorgien. Nun gut, vor vier Jahren vielleicht noch nicht. Ein verheißungsvoller Actioner schaufelt so sein eigenes Grab. Dann legt er sich rein und bedeckt sich mit noch Logiklöchern, mangelhafter Figurenzeichnung und Schnittgewittern. Eine Enttäuschung, doppelt aufgrund aufgestauter Erwartungen.

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