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Ungelöste Kriminalfälle sind das größte Hobby von Agatha (Regina Blandón), und ihr diesbezüglicher Podcast hat der Mittvierzigerin bereits eine große Fangemeinde unter den mexikanischen RadiohörerInnen verschafft. Eines Tages erhält sie eine unerwartete Einladung ihrer Halbschwester Olivia (Maribel Verdú), die sie zusammen mit einem guten halben Dutzend anderer Leute auf ihr malerisches Domizil an der Küste einlädt.
Nachdem alle Gäste dort eingetroffen sind und über den Zweck der Zusammenkunft rätseln, läßt die Gastgeberin, die sich bisher nicht blicken lassen hat, über ihre Hausdienerin ausrichten, daß man das gemeinsame Abendessen an Bord einer luxuriösen Yacht einnehmen werde. Per Motorboot dorthin gebracht, sitzt nun also die Runde erwartungsvoll am Tisch: Olivias Ex-Ehemann, ein landesweit bekannter Schauspieler, ein Arzt, ein Yogalehrer samt Begleiterin, die erwähnte Podcast-Amateurdetektivin sowie die Hausdienerin und deren einäugiger Gehilfe. Und tatsächlich taucht Olivia dann auch auf, begrüßt ihre Gäste und eröffnet ihnen lächelnd, daß sie alle aus einem ganz bestimmten Anlass eingeladen wurden. Jeder der Anwesenden hätte einen trifftigen Grund, die Gastgeberin oder eineN der Anwesenden umzubringen, und tatsächlich werde in dieser Nacht eine an Bord befindliche Person sterben.
Verwirrt ob dieser in etwas zynischem Ton vorgetragenen Ankündigung, der keine weitere Erklärung folgt, rätseln die Gäste noch, was es damit wohl auf sich haben könnte, bevor sie sich in ihre Kabinen begeben. Durch laute Geräusche nachts geweckt, stellen die Besucher dann fest, daß die Vorhersage eingetroffen ist: tatsächlich ist eine Person von der oberen Reling auf das Heck gestürzt: die Tote, die sich dabei das Genick gebrochen hat, ist - die Gastgeberin Olivia...

Von seinem Aufbau her erinnert der auf einer Buchvorlage basierende mexikanische Krimi Invitación a un Asesinato schon recht deutlich an Kult-Klassiker wie Eine Leiche zum Dessert, und trotzdem das Mordopfer kein schillernder Truman Capote ist, liefert der Auftritt der in der Folge die Ermittlungen an sich reißenden Radio-Detektivin, die nicht zufällig Agatha mit Vornamen heißt, deutliche Hinweise auf die britische Schriftstellerin Agatha Christie.

Doch es sind keine verschrobenen, skurrilen Gestalten, deren persönliche Geheimnisse und Verstrickungen in den Tod der Gastgeberin es hier zu entwirren gilt, sondern verhältnismäßig gewöhnliche - und damit eher langweilige - Figuren. Dazu kommt, daß Olivias Tod auf hoher See sich genau an der Grenze zwischen zwei Distrikten ereignet hat, sodaß die alarmierte Polizei erst einmal die Zuständigkeit klären muß. Bis dies erfolgt ist, bleibt ein junger mexikanischer Officer bei den Gästen, die nicht abreisen dürfen - analog zur Schneewehe, in der Agatha Christies Orient-Expreß seinerzeit stecken geblieben ist. Der weibliche Hercule Poirot mit seiner Podcast-Erfahrung (dem Zeitgeist entsprechend lesbisch und mit tätowiertem Handgelenk, beides übrigens in keinster Weise für die Lösung des Falles dienlich) rekrutiert daraufhin den unerfahrenen Polizisten als Gehilfen und beginnt mit den Gästen eine Verhörreihe, der sich ein längerer Monolog anschließt, welcher schließlich den bzw. die Täter entlarvt.

Leider erfolgt die Auflösung, die übrigens durchaus einen Sinn ergibt, ein wenig zu schnell, jedenfalls ist es auch dem geneigten Publikum kaum möglich, wirklich mitzuraten, da die teilnehmenden Personen schlichtweg viel zu wenig Charakterzeichnung bieten (oder anders ausgedrückt: einfach zu uninteressant erscheinen), um sie einem konkreten Verdacht zu unterziehen. Auch präsentiert die stets überlegen lächelnde Protagonistin, die unerklärlicherweise im Handumdrehen einen Gesetzeshüter rekrutiert (statt daß es umgekehrt wäre) ihre Fakten zu nonchalant, als daß aus dem ohnehin kaum erkennbaren roten Faden noch irgendeine Spannung erwachsen würde - so bleibt Tödliche Einladung am Ende nur ein weiterer whodunit-Krimi im TV-Format, den man zwar bequem konsumieren kann, der allerdings genauso schnell vergessen wie gesehen ist. Neutrale 5 Punkte nach Mexiko.

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