Die dritten Programme bringen immer mal wieder Sechsteilige Miniserien raus, die in ihrem Regionalprogramm laufen und speziell auf das jeweilige Publikum einer Region zugeschnitten sind. Nun mag ich zwar keine biedere Kitsch-Unterhaltung, aber es gab in der Vergangenheit immer wieder mal Serien mit einem ganz individuellen bayrischen Charme, wie z.B. Monaco Franze oder Polizeiinspektion 1. Und auch wenn man es vordergründig immer mit seichter Fernsehunterhaltung zu tun hat, so blitzt bei dieser Art Serien immer auch eine große Lebensnähe und Satire auf Politik und Gesellschaft auf.
So dann auch hier. Stephan Zinner besitzt eine ungeheure Aura. Welch ein Charisma! Bekannt als Metzger Simmerl aus den Eberhofer-Krimis, aber auch als Kommissar aus den Münchener Polizeiruf-Krimis. Hier spielt er einen unkonventionellen Pastor vom Land in seiner neuen Gemeinde in München. In den einzelnen Folgen werden einige gesellschaftspolitische Themen abgearbeitet und stets mit einer Prise Humor betrachtet.
In Folge 1 geht es generell darum, wie modern und gesellschftsoffen Kirche sein darf. Dazu beschäftigt man sich mit dem Umgang mit dem Tod. Folge 2 ist so eine Art Krimifolge, wenn es darum geht einen psychisch Kranken vor einer Wahnsinnstat zu bewahren. Folge 3 hinterfragt Klimaschutzdemos, Folge 4 Sterbehilfe, Folge 5 Ökumene mit dem islamischen Glauben und zuletzt geht es um Zöllibat und gleichgeschlechtliche Ehe. Die Folgen sind unheimlich klug geschrieben, geben keine klaren Antworten und schaffen die Balance zwischen Drama und Humor.
Auch die Liebe kommt nicht zu kurz. Denn verliebt ist er, unser Pfarrer. Aber das darf ja nicht sein.
Ich fand die Serie Super, hoffe sehr, dass da vielleicht mal noch eine zweite Staffel kommt und kann sie sehr empfehlen. Gesellschafts- und Kirchenkritik in Form einer kleinen amüsanten Serie, stets mit einem Augenzwinkern und einem umwerfenden Pastor als Hauptakteur.