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Früher standen manche Filme des MCU innerhalb des modernen Blockbusterkinos immerhin noch für ein gewisses Spektakel, eine gewisse Größe und man bekam nicht immer, aber öfters eben dies geboten. Nun steckt der Laden schon seit einer Weile in einer kreativen Krise und im letzten Ableger „The Marvels“ merkt man dies mehr als nur ab und zu.
Im nunmehr dreiunddreißigsten Eintrag in das Franchise treffen also Captain Marvel, Monica Rambeau und die aus ihrer Serie bekannte Ms. Marvel Kamala Khan aufeinander und stellen sich gemeinsam einer Bedrohung.

Sollte man manche Serie nicht gesehen haben, so könnte man meinen, dass man schnell den Überblick verlieren könnte. Aber es gibt Entwarnung, denn „The Marvels“ ist so dünn erzählt, dass das völlig egal ist. Der Film ist eine Aneinanderreihung von Einzelteilen, mit einem richtigen Film hat das nicht viel gemein. Es fühlt sich an, als würde man Puzzleteile mit einem Hammer verbinden und sich dann ein Bild ansehen, das wenig Sinn ergibt.
Die generische Schurkin klappert ein paar Stationen ab, Captain Marvel hat auf deren Welt mal was angestellt, jetzt gibt es Rache, das Dreierteam will sie actionhaltig aufhalten. Das ist es so ziemlich. Dazwischen versucht man sich an Zwischenmenschlichkeiten, Humor, man scheitert an ziemlich allem. Das liegt nicht mal an den wenig aufregenden Figuren oder dem eigentlich kompetenten Personal. Sondern daran, dass man scheinbar nichts damit anzufangen weiß. Dramaturgisch ist das hier mehr als mau, der stümperhafte Aufbau lässt jedes Gefühl für eine griffige Inszenierung vermissen.
Da erkennt das Fangirl die Fehlbarkeit ihrer Heldin, es folgt keinerlei Aufarbeitung. Familie auf der Raumstation – es ergibt keinen Sinn oder Mehrwert für die Erzählung. Einen emotionalen Ankerpunkt für eine der Figuren hebelt die Szene im Abspann dann aus und demonstriert anschaulich, wie man das Wort Austauschbarkeit im Multiversumskontext des MCU buchstabiert. Und so etwas wie die letzte Szene hat man früher nach die Credits gepackt, ist hier aber auch schon egal.
Vor allem aber konsequenzlos und dadurch klinisch. Zerstörung, Abstürze, niemand hat einen Kratzer. Also bei den „Guten“. Das ist alles so harmlos, während massenweise Verluste nicht weiter der Rede wert sind. Und dabei sieht das nicht mal besonders gut aus, vieles wirkt hier eine Spur günstiger. Effekte, Maskenarbeit, Kulissen, das dauernde Herumgehampel vor dem Bluescreen. Über 200 Millionen Dollar Budget – für was?

Nun bin ich sicherlich nicht die Kernzielgruppe dieses Films, aber selbst die kann doch mit dem Ergebnis hier nicht zufrieden sein. Das Gimmick des Positionstauschs ist eine nette Idee, nachvollziehbar eingesetzt aber nicht. Apropos schlüssig - dieses Wort trifft auf Captain Marvels Fähigkeiten immer noch nicht zu und auch hier drückt man sich um eine Definition, man chargiert weiterhin zwischen „alles“ und „gerade geht nicht viel“ hin und her.
„The Marvels“ ist eine holprig erzählte Abfolge von Plotpunkten ohne jedweden mitreißenden Schauwert, ohne emotionalen Anker (keine Zeit) oder eine halbwegs funktionierende Figurenzeichnung. Und ob dieses dramaturgischen und kreativen Ausfalls mag man am Ende noch nicht einmal böse sein. Es bleibt nur ein Schulterzucken, wenn mal wieder etwas passiert, weil es passiert. Ist halt so. Egal.



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