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Spätestens Mitte Oktober beginnen Fans der Halloween-Nacht mit einigen Vorbereitungen, die natürlich auch die Auswahl geeigneten Filmmaterials beinhalten. Ein potenzieller Kandidat ist „Dark Harvest“, oder alternativ „Die dunkle Saat“ von Regisseur David Slade („30 Days of Night“), der mit seinem Setting schon mal für eine unheilvolle Stimmung sorgt.

1963, irgendwo im mittleren Westen der USA: Halloween nähert sich und Richie will es seinem Bruder gleichtun und das Monster Sawtooth Jack bei der alljährlichen Jagd töten. Doch dann stößt er auf ein düsteres Geheimnis und eine mögliche Verschwörung im Ort…

Es ist eine ungewöhnliche Mischung, die Slade präsentiert: Der Handlungsort wirkt latent isoliert und dadurch wie eine Parallelwelt, die von der Zeit her an Beiträge wie „Outsiders“ oder „Wanderers“ erinnert. Teile des Settings wie ein Maisfeld oder eine alte Kirche lassen Stephen King in den Sinn kommen und als es schließlich zur Sache geht, fühlt man sich unweigerlich an „The Purge“ erinnert, als in Sachen Mord und Totschlag alle Regeln im Ort außer Kraft gesetzt zu scheinen.

Die Figuren sind eher etwas grob gezeichnet, doch immerhin wird man mit Richie und seinen Beweggründen ebenso warm wie mit seiner Begleitung Kelly, die als dunkelhäutige Außenseiterin mit den üblichen Vorurteilen und Ausgrenzungen zu kämpfen hat. Neben dem Monster gibt es auch menschliche Antagonisten wie den gleichaltrigen Troublemaker oder den aufbrausenden Sheriffs des Kaffs.

Geht der Stoff zur Action über, verliert man aufgrund etwas zu hektisch gesetzter Schnitte innerhalb der zumeist dunklen Umgebung ein wenig den Überblick. Ein paar brachiale Splattereinlagen wie Körperteilung und Schädelverformung reichern das Szenario mit soliden Effekten an, während der Score eher mit den ruhigen Untermalungen punktet, die teils ins sphärische Gefilde abdriften.

Storytechnisch bleibt die Angelegenheit leider recht vage. Zwar werden einige kleine Geheimnisse aufgedeckt, doch zum Kern des Ganzen dringt man nicht vor, wodurch gegen Ende einige Fragen offen bleiben oder manche Zusammenhänge schlicht unlogisch erscheinen. Auch das Finale zeichnet sich nicht durch eine Temposteigerung aus, obgleich dem Abschluss eine leicht bittersüße Note mitschwingt.

Regisseur Slade konzentriert sich phasenweise zu sehr auf die Figuren und ihre Probleme, was zwar ein wenig Coming-of-Age beinhaltet, jedoch etwas zulasten des Erzählflusses geht. Darstellerisch wird solide geliefert, atmosphärisch sind einige Momentaufnahmen mitzunehmen und das Kürbiskopfmonster ist in seiner schlacksigen Art ein netter Kontrast zu den üblichen Erscheinungen. Insgesamt hätte es von allem etwas mehr gebraucht, um sich nachhaltig fürs Düsterfest zu empfehlen.
Knapp
6 von 10





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