Review

Möge die Macht mit euch sein...


Zack Snyder, Bildkomponist unzähliger Leinwanderlebnisse wie "300" und "Sucker Punch", der visuell versucht, neue Massstäbe zu setzen, dabei aber leicht vergisst, was es heisst, eine tolle Story zu spinnen, wollte auch einmal ein bisschen Weltraumlegionär spielen, nachdem er schon so manches Genre hinter sich gebracht hatte. Und so tat er sich an den Science-Fiction Kosmos und kreierte ein für seine Verhältnisse angepasstes Weltraumepos, das eigens für den Streaming Sender Netflix produziert wurde.

Eine Bauernkolonie, die auf einen Planeten abseits des Reiches, genannt Mutterwelt, siedelt und Ernte einfährt, ein idyllisches Grossfamilienleben hegt und pflegt, wird eines Tages durch das Auftauchen eines riesigen Kriegsschiffes unterhalb der Sphäre bedroht und dies sollte nicht nur ein Trugschluss sein: Anführer dieser Kriegsarmee Admiral Atticus Noble, ein tyrannischer Befehlshaber mit sadistischer Ader, will das ganze Dorf um ihre Ernte bringen, löst auch Ungehorsam mit brutaler Gewalt. Einzig allein Dorfmädchen Kora stellt sich der kleinen Horde Soldaten.

Zusammen mit dem Dorfburschen Gunnar macht sich Kora auf, um an anderen Orten nach verstreuten Einzelkämpfern zu suchen, um eine Rebellenlegion zu erstellen, die sich gegen das System des Königs und seines Admirals stellen soll. Dabei geraten sie an allerlei ungemütliche Gestalten und Widerstand. Doch auch Admiral Atticus ist der kleinen Widerstandsgruppe auf den Fersen.

Wie gesagt, Multigenretalent Snyder fuchtelt in für ihn unbekanntem Terrain herum und verwurstet so einige Passagen aus vielen berühmten Vorbildern. Versatzstückhaft wird so eine eigene Idee kreiert, die unverkennbar im Fahrwasser von "Dune", "Herr der Ringe" und nicht zuletzt, ja vor allem "Star Wars Saga" kielt.

Die Vergleiche lassen sich leicht von der Hand abzählen, wie der Widerstand gegen das imperiale Böse, die Stadtbar voller krimineller Kreaturen bishin zum Verrat der Allianz eigener Leute. Alles bekannt, nur neu performt und dabei bildgewaltig und laut in Szene gesetzt. Die Auswahl der Darsteller gelang dabei nur semi-gut. Sofia Boutella als eiskalte Kriegerin wirkt zu unterkühlt und hüftsteif, Ed Skrein als psychopathischer Admiral dagegen überzeugend, auch ein Wiedersehen mit "Amistad" Djimon Hounsou gibts zu beliebäugeln, allerdings von wenig beachtlicher Spielzeit.

Der Rest wirkt für Zack Snyder Verhältnisse und 166 Millionen Dollar Budget sehr passabel und zeichnet sich durch seinen bildgewaltigen Stil aus, der schon recht imposant und epochal für Netflixzustände sind. Gut gefilmte Locations, geschmeidig daherkommende und irrwitzig gestaltete Kreaturen und ein lautes Soundsetting mit den passenden Lichteffekten a la, sie wissen schon!

Für seine über zwei Stunden Spielzeit ist der Film keinesfalls langweilig, auch wenn die Ideen nicht neu sind und stimmen den Film in seiner Story gerecht, die nicht selten mit Rückblenden überbrückt werden, aber dabei niemals komplex wirken. Somit bekommen wir eine unterhaltsame Streamingkopie in intergalaktischer Kinobreite präsentiert, ob überhypt oder unterbewertet, das sei mal dahingestellt und bleibt jedem einzelnen Geschmack selbst überlassen. Wer kein Freund von Weltraumopern ist, sollte es von vorne herein bleiben lassen, vielleicht werden auch die "Star Wars" Krieger unter den Fans vor Wut beben über diese dreiste Kopie Ihres geliebten Universums.

Nichtsdestotrotz, Imitat hin oder her, lieber gut geklaut als schlecht erfunden, oder? Ich persönlich freue mich über die Fortsetzung von "Rebel Moon" im Früjahr 2024. Das Teil hat mich gut unterhalten, war wendungsreich,wenn auch leidlich spannend. Der ernste Unterton sollte allerdings nicht verschwiegen werden; anders als zum märchenhaften George Lucas Original ist hier nichts von Märchen zu spüren, "Rebel Moon" ist humorfreier, bierernster, fast schon kriegsglorifizierender Weltraumschlachter, brutal, auch wenn die schnellen Schnitte abmildern sollten und frei von jeglichem Gefühlsschmalz.

Brutaler, ironiefreier Science-Fiction-Kriegsfilm mit vielen Effekten und teilweise gut besetzten Rollen. Ein typischer Zack Snyder Bombast mit viel Plotschützenhilfe aus fremden Galaxien.


Ist die ab 12 Freigabe gerechtfertigt? Da bin ich gespaltener Meinung; Eltern sollten sich den Film zuerst zu Gemüte führen und dann entscheiden, ob das für ihre 12jährigen Sprösslinge zumutbar ist. Viel Gewalt, düsterer Grundton und brachiale Action fast schon nonstop! Meiner Meinung nach erst für 16 jährige gedacht!

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