Review

Per Anhalter zu reisen ist für Al Roberts der Weg nach Los Angeles. Der nicht gerade vermögende Pianist ist so auf dem Weg zu seiner Freundin Sue, die dort schon auf ihn wartet. Dass Al bald einen toten Beifahrer hat ist nur der Beginn dieser Reise abwärts, welche von Regisseur Edgar G. Ulmer nach dem titelgebenden Roman von Martin Goldsmith als packender Film noir inszeniert wurde.

Goldsmith verfasste auch das Drehbuch für dieses kostengünstige B-Movie und trotz des geringen Budgets erschuf Ulmer einen atmosphärischen Thriller um die tragische und auch ambivalente Hauptfigur. Al ist kein auf Anhieb sympathischer Charakter, dennoch entsteht aufgrund der Umstände sowas wie eine Bindung zu der Figur. Das Skript meint es nicht gut mit ihm, zieht ihn durch eine Verkettung von Entscheidungen und Umständen immer tiefer in eine Ausweglosigkeit. In unter siebzig Minuten zieht der Film die Schlinge stetig enger und verliert keine Zeit, „Detour“ kommt ohne Längen aus und bietet die typischen Versatzstücke des Noir-Stils. Der pessimistische Grundton, eine ebensolche Hauptfigur, die verhängnisvolle Begegnung mit einer Dame, Kommentare aus dem Off und wenig Aussicht auf ein glückliches Ende. Wobei über der Erzählung immer die Frage schwebt, wie vertrauenswürdig diese ist. 

Tom Neal hat für die Rolle das richtige Gesicht und verkörpert den Pechvogel sehr ansprechend, Ann Savage kann mit Blicken töten und spielt mit einer einnehmenden Berechnung. Die Dialoge sind scharf bis pulpig, letztere Eigenschaft trifft auf vieles hier zu, doch es trägt passend zur Stimmung bei. Da mag man über manches hinwegsehen. Al spielt kein Klavier, das Lenkrad spielt nicht immer mit, die letzte Szene ist wohl dem Hays Code geschuldet und wirkt pflichtschuldig angefügt. 

„They'd laugh at the truth.“

Mit einem überschaubaren Budget, wenigen Rollen sowie Schauplätzen gelang Ulmer ein spannender Film noir mit einer starken Atmosphäre, Schatten, Spiegeln und allen Zutaten, die es für ein solches Werk braucht. Die Entscheidungen führen immer weiter in den Abgrund, Tom Neal und Ann Savage verkörpern ihre Rollen fabelhaft, Inszenierung und Laufzeit lassen in „Detour“ keine Langeweile aufkommen. Ein sehr gelungener kleiner Thriller.

Details
Ähnliche Filme