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Es ist beileibe kein Selbstläufer, wenn man sich ein paar nicht mehr ganz so junge Mimen ins Boot holt und sie einfach mal machen lässt. Doch Regisseur Oliver Parker gelingt es, vor allem in den nachdenklich stimmenden Momenten sehr viel Empathie für seine Figuren einzufahren.

Im Jahre 2014 büxt der 90jährige Kriegsveteran Bernie Jordan (Michael Caine) aus dem Pflegeheim in Brighton aus, um an der Gedenkfeier des D-Day in Frankreich teilzunehmen. Seine Frau Rene (Glenda Jackson) erfindet gegenüber dem Heimpersonal einige Ausreden, um Bernie einen gewissen Vorsprung zu gewährleisten. In Frankreich angekommen, muss sich Bernie seinen Dämonen stellen, die ihn seit 70 Jahren begleiten…

Es ist ein Stelldichein der Legenden: Michael Caine (90) hat nach diesem Projekt seinen wohlverdienten Ruhestand verkündet, Glenda Jackson starb leider im Sommer 2023 kurz vor der Premiere mit 87 Jahren. John Standing, in einer Nebenrolle als Veteran Arthur zu sehen, zählt immerhin auch schon 90 Lenze. Doch auch aus deutscher Sicht sind Ikonen an Bord, denn Caines Stammsprecher Jürgen Thormann ist mit 96 Jahren noch ebenso aktiv wie Ekki Dux mit 97 Jahren und auch Marianne Groß zählt mit 81 zu jenen Stimmen, die seit Jahrzehnten vertraut sind.

Es braucht indes gar nicht so viele Worte, um die Befindlichkeiten und Anliegen der wenigen Figuren auf den Punkt zu bringen. Natürlich ist den Menschen ihre Gebrechlichkeit anzumerken, wenn der Rollator zur dauerhaften Stütze wird, zuweilen Pillen gesucht werden müssen, während andernorts die Prostata Probleme bereitet. Doch die eher kleineren Ziele treiben die Leute voran und es ist Bernie zunächst überhaupt nicht bewusst, dass die Presse seinen „Ausbruch“ an die große Glocke hängt und er daraufhin in vielen Zeitungen abgebildet ist.

Diverse Rückblicke vom Kriegstreiben offenbaren schließlich, dass Bernie noch etwas auszurichten hat, was seinen gefallenen Kameraden betrifft. Gemischt werden jene Flashbacks mit Phasen des Kennenlernens, aber auch der Angst um die unversehrte Rückkehr.
Das Hier und Jetzt spielt sich wiederum in zwei Teilen ab: Einerseits ist es erneut das Warten auf die Rückkehr durch Rene und andererseits der Road Trip durch Frankreich, um zumindest am Rande den Feierlichkeiten beizuwohnen.

Auch hier sind es die eher stillen Momente des insgesamt leisen Films, die in Erinnerung bleiben, etwa, als Bernie und Arthur in einem Lokal auf eine Gruppe gleichaltriger deutscher Veteranen treffen oder beim Gang auf dem Friedhof eine Erkenntnis in den Vordergrund tritt.
Derweil sorgt Rene im Pflegeheim für die eine oder andere Auflockerung, da sie kein Blatt vor dem Mund nimmt und dennoch immer die richtigen Worte findet, um beispielsweise die leicht impulsiv auftretende Pflegerin Adele (Danielle Vitalis) zu erden.

Was der Geschichte ein wenig die Spannung raubt, ist das eher geringe Konfliktpotenzial, zumal die Reise ohne wirkliche Komplikationen vonstatten geht. Zuweilen verliert sich das Treiben in träumerischen Momentaufnahmen, bei denen der ansonsten toll arrangierte Score etwas zu sehr in Melodramatische abdriftet. Dennoch sind sämtliche Mimen eine Bereicherung für diesen melancholisch stimmenden Film, der definitiv Ehrfurcht vorm Alter abverlangt und den Betrachter mit einem Gefühl der Zufriedenheit zurücklässt.
7 von 10

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