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Nick Hornby ist ein genauer Beobachter. Mit seinem Roman „High Fidelity“ lieferte der britische Autor eine messerscharfe Analyse männlicher Verhaltensweisen. Nie zuvor hat sich der Rezensent beim Lesen eines Werkes so sehr wiedererkannt, wie bei dieser Beschreibung männlicher Manierismen. Der hingebungsvolle Musikfan wird von Hornby sehr genau analysiert, übertragen lässt sich dies natürlich auch auf den Filmbereich. Beides lädt vor allem das männliche Geschlecht zu (nur scheinbar) sinnloser Sammelleidenschaft und stundenlangen, leidenschaftlicher Diskussion ein. Der Gedanke, dass dieses locker-flockige, aber dennoch so weise Werk verfilmt werden sollte, machte mir zunächst mehr Angst, als dass es Freude auslöste. Der nur scheinbar unzusammenhängende episodenhafte Plot, die hintersinnigen Kommentare des „Ich“-Erzählers und die permanenten „Top 5“-Listen, die sich meist um musikalische Fragestellungen drehen, die dem 08/15-Leser gänzlich unberührt lassen sollten, machten mir die Vorstellung schwer, dass eine Verfilmung dieses Werkes gelingen konnte. Die Handlung wurde zwar von England nach Amerika verlegt, doch sonst (Überraschung!) atmet die Verfilmung von Stephen Frears zum Glück den Geist des genialen Buches.

John Cusack spielt den manischen Rob, der zugleich Protagonist und Erzähler der Geschichte ist, mehr als glaubwürdig. Mit ihm steht und fällt der Film. Aus der Hornby- wird die Cusack-Show. Auch der restliche Cast kann überzeugen. Die (damalige) Neuentdeckung Iben Hjelje spielt die Frau, um die sich letztlich alles dreht, unverbraucht und erfreulich natürlich. Ihre Performance lässt es beinahe vergessen, es mit einer Schauspielerin zu tun zu haben. Vielmehr wirkt sie wie die Freundin, die man gern hätte, oder schon mal hatte (wenn man Glück hatte). Jack Black sticht zudem aus der Besetzung hervor. „High Fidelity“ bedeutete seinen Durchbruch und festigte den Status, den der hyperaktive Black heute innehat. So spielt er die Nebenrolle Barry so überzeugend und auffällig, dass die kurze Screentime in der Erinnerung des Zuschauers verbleibt.

Frears schafft es den lakonischen Ton des Buches zu treffen. Die Entscheidung John Cusack direkt mit dem Publikum sprechen zu lassen, war eine mutige, aber letztlich die einzig richtige Entscheidung. So wird eine Vertraulichkeit erzeugt, die es dem Zuschauer ermöglicht, Teil zu haben, wie Rob, die Hauptfigur, mit den Frauen aus seiner Vergangenheit abrechnet, um seine Gegenwart in Ordnung zu bringen. Dabei werden (die meisten) Momente aus dem Buch detailgenau auf die Leinwand gezaubert, so dass sich der Leser sofort zuhause fühlt. Eine der Lieblingsszenen des Rezensenten allerdings, hat es leider nur auf die Deleted Scenes der DVD geschafft, sollte aber von jedem Musiksammler gesehen werden. Zu sehen gibt es die Szene, in der eine betrogene Ehefrau die kostbare Plattensammlung ihres Mannes aus Rache für ganz kleines Geld verkaufen will. John Cusack ringt mit sich, ob er der Frau seines Sammel-Leidensgenossen die wertvollen Stücke abkaufen soll, oder nicht. OFDB-User sollten sich nur einmal vorstellen, dass die kostbare DVD-Sammlung für Centpreise von der Freundin verkauft wird...

„High Fidelity“ ist eine der gelungensten Literaturverfilmungen der letzten Jahre und Pflichtprogramm für Musikfans, Männer, Beziehungsgeschädigte, neugierige Frauen und eigentlich für jeden leidenschaftlichen Sammler. Dieses Manifest der gesammleten männlichen Weisheiten spendet in so vielen Lebenslagen Ratschläge, dass man Film und Buch so oft sehen / lesen sollte, wie nur möglich. Für Fans des Buchs ist der Film ein Fest. Definitiv ein Anwärter auf die „Top 5“ der Filme, die den Geist der literarischen Vorlage möglichst adäquat auf die Leinwand bringen!

Fazit:

10/10

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