Review

Gott, ich liebe diesen Film! Ich habe selten im Kino einen lustigeren Film als "High Fidelity" gesehen. Der vielleicht ultimative Film zum Thema "Männer und Frauen und Musik". Und das alles mit einer derart herrlichen Besetzung, dass ich meine ganze Begeisterung für diesen Film wohl gar nicht in Worte packen kann.

Die Story ist leicht: Rob (John Cusack), Ex-DJ und Besitzer des Plattenladens "Championship Vinyl", wird von seiner Freundin Laura (Iben Hjejle, "Mifune") verlassen. Zunächst erklärt er dem Zuschauer, das die gerade beendete Beziehung mit Laura keine der Top Five der schmerzlichsten Beziehungskisten wäre, und erklärt dies daraufhin in Rückblenden. Doch als der vom Pech gebeutelte Musik-Narr erfährt, das Laura direkt zu ihren ehemaligen Nachbarn gezogen ist, einem Steven Seagal-Verschnitt mit Pferdeschwanz-Matte und Faible für linguistische Fokussion auf Esoterik-Geschwafel (fabelhaft eklig: Tim Robbins). Nun ist Laura bereit für die Top Five. Mit allen Mitteln versucht er, Laura wieder zurückzubekommen. Nur seine beiden Angestellten, einem "musikalischen Autisten-Pärchen", dem aufbrausenden, verrückten Barry (eine absolute Glanzleistung: Jack Black!) und dem verschüchterten Indie-Fan Dick (Todd Louiso), und die faszinierend sinnliche Musikerin Marie DeSalle (Lisa Bonet, eine der Töchter aus der schrecklichen "Bill Cosby-Show") halten ihn immer wieder von dem Vorhaben ab. Während des Films rekapituliert Rob sein Leben immer wieder anhand seiner ultimativen Top Five zu dem jeweiligen Thema. Und dann muss er zwecks Vergangenheitsbewältigung auch noch die Top Five der schmerzlichsten Beziehungen besucht werden...!

Der Film basiert auf einem herrlichen Buch von Nick Hornby, das in England spielt. Doch mit Leichtigkeit kopierte man die Personen und die Geschichte in Chicago hinein, ohne das Flair oder Authenzität auf der Strecke bleiben. Und auch der Humor ist weder britisch, noch amerikanisch. Die wundervollen, launigen Dialoge sind teilweise zum Schreien und der Tanz und die finale Performance von Jack Black könnten Klassiker werden.

Ein weiterer Punkt, für den ich sehr dankbar bin, ist das man nicht den Fehler begangen hat, John Cusack die Geschichte aus dem Off zu kommentieren. Um die Gedanken, die ja erzählerisch für das Buch mehr als wichtig, eher stilgebend sind, gut filmisch auszudrücken, wendet sich Cusack direkt zur Kamera und spricht zu uns, wie zu einem guten Kumpel.

Und nicht nur an so stilistischen oder inhaltlichen Belangen überzeugt "High Fidelity" vollends, auch was die Darstellerriege angeht, die sich hier die Klinke in die Hand drückt, sehen wir einen äußerst qualitativen Film: Neben den oben erwähnten Männern und Frauen, dürfen wir Catherine Zeta-Jones, Lili Taylor, Natasha Gregson Walter, Bruce Springsteen, Sara Gilbert und Ben Carr bewundern.

Der Film ist leichtfüßig, kurzweilig - aber vor allem eins: Sympathisch. Die kleinen blöden Fehler, die schmale Gradwanderung zwischen Hobby und Besessenheit, die solche Männer haben, und das passende weibliche Gegenstück zu solchen Männern, sind wir je nachdem alle mehr oder weniger. Und so hat fast jeder das Gefühl, es gehe nicht um die Beziehung Rob/Laura, es gehe um den Zuschauer. Um dich. Und darum geht es ja meistens auch in der Musik. Musik würde weitaus weniger Faszination ausmachen, wenn wir nicht persönliche Momente mit bestimmten Songs verbinden können. Und so liegt mit "High Fidelity", der ultimative Song, das ultimative Musikvideo vor - die Verbindung, nicht nur zu einem Moment, sondern zu unserem Leben.

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