Dänische Film, die über ihre eigene Landesgrenzen den Weg zu uns schaffen sind selten. Umso schöner ist es, dass es ein Film wie „Midsommer“ geschafft hat.
Auf einer Party muss Christian (Kristian Leth) miterleben, wie sich seine Schwester mit Schlaftabletten das Leben nimmt. Christian leidet sehr darunter, denn in einigen Monaten steht das Midsommernachtsfest vor der Tür, was er wie immer mit seinen vier Freunden in Schweden feiern will. So kommt es auch, dass Christian, Trine (Laura Christensen), Mark, Anja und Yannick wieder nach Schweden in eine Hütte fahren, um dort sowohl das ende ihrer Schulzeit als auch das Fest zu feiern.
In Schweden lernen sie in einem kleinen Geschäft die Schwedin Linn (Tuva Novotny) kennen.
Angekommen an der Hütte, erlebt Christian Nachts komische Dinge. Ihr Auto schaltet immer wieder selbstständig das Licht ein und im Auto selbst findet Christian einen Schlüsselanhänger, der genau so aussieht wie der, den seine tote Schwester hatte.
Dieser Schlüsselanhänger verfolgt Christian auf Schritt und Tritt, sogar ein Wurf in den See bringt nichts, der Schlüsselanhänger taucht immer wieder auf. Christian hat die Vermutung, dass seine Schwester mit ihm Kontakt aufnehmen will. Mit Hilfe seiner Freunde und Linn wagen sie ein Experiment...
Eins vorweg, dieser dänische/schwedische Film ist kein Actionreißer oder gar ein Film für den Gorehound. Midsommer lebt von seiner Umgebung. Ein düsterer Wald, in der die Hütte steht, sonst keine Menschenseele außer einem komischen alten Mann, der immer wieder mal vorbeikommt und scheinbar etwas sucht.
Midsommer ist typisch skandinavisch, sprich ein ruhiger Film, der erst gegen Ende richtig Tempo aufnimmt, dann geht es aber storymäßig zur Sache. Bis dahin mag der eine oder andere abgeschaltet haben, da ihm die Erzählung zu langsam vorkommt. In meinen Augen passt dies aber ganz genau und lässt den Film so nur noch realistischer wirken.
Die Schauspieler kennt man zumindest als Nicht-Däne überhaupt nicht. Trotzdem machen sie ihre Sache ausgezeichnet und man meint, man wäre wirklich bei fünf Freunden dabei, die nur ihr Fest feiern wollen. Kristian Leth ist hervorragend in der Rolle des Christian, der zwar feiern will, aber auch immer wieder an seine Schwester denken muss, was durch die komischen Phänomene im Wald noch bestärkt wird.
Optischer Höhepunkt ist Laura Christensen, so stellt sich doch (fast) jeder Mann die berühmte, blonde skandinavische Frau vor. Ein echter Hingucker.
Wie schon erwähnt, lebt der Film allein von seiner Atmosphäre im Wald. Dies sorgt dafür, dass der Film einen Spannungsbogen aufbaut, der sicherlich etwas zu langsam ansteigt, aber gegen Ende sich dann voll entlädt, denn auch erst gegen Ende kann man erahnen, was wirklich abgeht in diesem Wald.
Das Ende ist diesmal fast durchgehend logisch. Es gibt mystische Elemente, wie der immer wieder auftauchende Schlüsselanhänger, doch am Ende macht "Midsommer" eine 180 Grad Wendung, nimmt gehöriges Tempo auf und lässt dem Zuschauer kaum Zeit zu atmen. Die Geschichte löst sich ohne Fragen auf und lässt viele Charaktäre in einem anderen Licht erscheinen. Ganz starkes Finale, was z.B. dem wesentlich aggressiveren "Villmark" in dieser Hinsicht vollkommen fehlt..
Fazit: Ein gelungener Gruselfilm aus Dänemark. Schon allein, weil man so wenige Filme aus Dänemark zu sehen bekommt, sollte man hier ruhig man einschalten, wenn der Film z.B. im hiesigen Free-TV erscheint. Ich kann den Film weiterempfehlen, der er mal was ganz anderes ist. Ein ruhiger Film, der sich langsam und bedächtig steigert, um gegen Ende loszulegen.