Review

Sechs Abiturienten fahren jedes Jahr zur Mittsommerfeier nach Schweden. Dieses mal ist Christians Schwester Sophie nicht mit von der Partie, da sie per Tablettenüberdosis Selbstmord ohne ersichtlichen Grund beging. Das legt sich wie ein Schatten auf die sonst ausgelassene Stimmung, zumal der melancholische Christian von unheimlichen Vorfällen in der Einöde geplagt wird. Natürlich ist er, und nur er, sich sicher, Zeichen seiner Schwester zu erhalten. Die anderen, besonders seine neue Freundin Trine, versuchen, ihm über den Verlust Sophies hinwegzuhelfen. Bis die Supermarktkassiererin Linn auftaucht, die mit ihren übersinnlichen Kräften den Geist anruft, der zu Christian Kontakt zu suchen scheint. So ordnet sich "Midsummer" in die Kategorie Geisterthriller ein und nicht, wie man erst vermuten könnte, in die der Slasher. Ein Haufen stylischer Teenies und die schwedische Waldidylle mit See wären nur all zu typisch für einen vermummten Psychokiller. Doch glücklicherweise kommt dieser kleine, eher unbekannte Streifen aus Dänemark und Carsten Myllerup verwendet sehr viel Zeit damit, die Charaktere zu zeichnen. Diese werden von größtenteils filmisch unbeschriebenen Blättern verkörpert, was sich hier auszahlt. Die Darsteller überzeugen durchweg in diesem wenig reißerischen Film, der in aller Beschaulichkeit gedreht ist und für Actionfanatiker ein Greuel ist. Die spannenden Szenen voller Unheil sind zwar spärlich, aber urplötzlich wie aus dem Nichts auftauchend, wilde Effekte sucht man hingegen vergeblich. Statt dessen löst sich die zunächst phantastisch anmutende Story zum Finale hin clever und schlüssig auf. Dreh- und Angelpunkt ist dagegen das Drama, dass sich die ganze Zeit zwischen den Freunden anbahnt, jedoch nicht wirklich greifbar scheint. Für den Zuschauer springen einige irreführende Fährten dabei heraus, wer allerdings einen non-stop düsteren Mysterygrusler sucht, wird zu viele sonnige Momente mit ausgelassener Stimmung zu sehen bekommen, alles jedoch im realistischen Rahmen. Das wiederum fällt wohltuend auf, die Akteure und Dialoge sind nicht bloß wie Abziehbildchen angelegt, sondern funktionieren tatsächlich als gesunde Portion Realismus. Das ist alles schön und gut, lediglich die Zerrissenheit zwischen Emodrama und Mysterythriller wirkt etwas unentschlossen, wenn die Verkettung beider Aspekte über die gesamte Laufzeit nicht wirklich ausgewogen erscheint und somit Spannungslücken entstehen lässt. Für den wirklichen Thrill kommt aus Dänemark ja bekanntlich "Nightwatch". Hier gibt es dafür die schönere Landschaft.

Fazit: Viel nettes Teeniedrama, wenig Grusel. Ein Film für zwischendurch wegen der interessanten Story. 6/10 Punkten

Details
Ähnliche Filme