Der Killer und die Klette.
Der geistig etwas zurückgebliebene Kleinkriminelle Quentin (Gérard Depardieu) landet nach einem mißlungenem Banküberfall im Gefängnis. Dort trifft er auf Ruby (Jean Reno) der ebenfalls nach einem verpatzten Banküberfall eingeliefert wurde. Allerdings konnte dieser die Beute verstecken, die eigentlich für seinen Auftraggeber Vogel (Jean-Pierre Malo) gedacht war. Vogel setzt den Gefängnispsychologen (André Dussollier) auf Ruby an, um zu erfahren wo sich die Beute befindet. Dieser schweigt aber wie ein Grab. Nachdem Quentin mit seiner unermüdlichen Redseligkeit sämtlich Zellengenossen in den Wahnsinn treibt, setzt der Psychologe ihn mit Ruby in eine gemeinschaftliche Zelle. Aber auch dies hat keinen Effekt. Da Ruby der bisher einzige ist, der sich von Quentins ständiger Plauderei nicht beeindrucken lässt, interpretiert Quentin dies fälschlicherweise als Freundschaft. Insgeheim planen beide die Flucht aus dem Gefängnis, Ruby für sich allein, Quentin mit seinem neuen "Freund" gemeinsam. Als die Flucht auf chaotische Weise gelingt hängt sich Quentin an Ruby der ihn so schnell wie möglich wieder los werden will.
Die französische Gangsterkomödie nimmt sich zu kaum einem Zeitpunkt bierernst. Stets bemüht den teils skurrilen Humor zum rechten Zeitpunkt abzufeuern, lebt "Ruby & Quentin" ausschließlich von seinen beiden titelgebenden Figuren und den beiden französischen Vorzeigeschauspielern Reno und Depardieu. Dies funktioniert, zumindest die erste Stunde, denn dann zieht es die Klamotte plötzlich in Richtung ernsthaftes Drama, was weder aufgeht noch die vorher penibel aufgebaute, lustig-lockere Atmosphäre stützt. Nach dieser Wendung zieht es den Film ebenso hastig zum Finale welches dann mit einem nicht zufrieden stellenden, leicht offenem Schluss endet.
Gelungen sind insbesondere die Gags die meist aus der Richtung des beinahe kindlichen Quentin eingeleitet werden. Sicher, was passieren wird ist recht vorhersehbar, genauso wie die laue Handlung die um "Ruby & Quentin" gesponnen wurde. Trotzdem kann man sich kaum einen Schmunzler bei einer derart starken Darstellung verkneifen. Der Humor bleibt dabei durchweg bodenständig und konzentriert sich auf Situationskomik. Slapstick einlagen gibts hier nicht.
Regisseur Francis Veber ging kein Risiko ein und besetzte die beiden titelgebenden Figuren, um die allein sich die Handlung dreht, mit den beiden komödienerprobten Schauspielern Gérard Depardieu und Jean Reno. Das Zusammenspiel der beiden harmoniert von Anfang bis Ende und ist wohl der Grund, dass "Ruby & Quentin" nicht im Komödienallerlei verloren geht.
Viel mehr gibt es aber leider nicht zu sehen, denn Veber war weder bereit Innovationen einzubinden, noch war ein ansprechendes Budget vorhanden um im Bereich der abzählbaren Actionszenen spektakuläre Stunts zu präsentieren. Die Handlung ist allzu vorhersehbar, wirkt teilweise unlogisch konstruiert und kommt ohne Überaschungen aus. Wobei man den aufdringlichen Wechsel in den Dramabereich durchaus als Überaschung bezeichnen könnte, der dem vorher aufgebauten Tempo allerdings die Luft sowie die Laune entzieht.
Unterhaltsam ist "Ruby & Quentin", keine Frage. Aber weder im allgemeinen komödiantischen Fach noch im Bereich des französischen Films bietet die Gangsterkomödie neue Aspekte. Es fehlt der Mut zu Innovationen die dem Film einen eigenen Stempel aufdrückt. Da können auch die beiden genialen Darsteller nichts dran ändern.
5 / 10