Review

Während der Erotikthriller das Jahrzehnt der 90er prägte, kamen zu Beginn der 2000er einige Streifen heraus, die eine Geschichte mit den finalen Einstellungen komplett auf den Kopf stellten, wie etwa „High Tension“. An einer Mischung aus beidem versucht sich der russische Regisseur Igor Voloshin.

Die forensische Medizinerin Lisa lebt ihre sexuellen Vorlieben bedingungslos aus. Doch eines Tages landet ein weibliches Opfer auf ihrem Tisch, mit dem sie kurz zuvor intim war. Die Spur führt den Ermittler Andrej zu einem Fotografen und es werden noch mehr Opfer gefunden, die ein wegweisendes Foto-Tattoo auf der Brust ziert…

Die einen nennen es überkandidelt, die anderen ambitioniert, - beides trifft auf die visuelle Machart des Streifens zu, der sich nicht mit Nacktszenen und Erotikeinlagen zurückhält, während ein Serienkiller sein Unwesen treibt. Die betont kühle Herangehensweise erinnert ein wenig an skandinavische Thriller, während die Figuren auffallend wenig von sich geben und folgerichtig mehrheitlich unnahbar erscheinen.

Die visuellen Spielereien driften indes bis in surreale Gefilde ab. Nicht selten dreht sich die Kamera während einer Einstellung um 90 Grad, es gibt Überblendungen, eine Schlange als wiederkehrendes Symbol, diverse Spiegelungen in Augen und auffallend leere Straßen oder Brücken, die beinahe wie eine Parallelwelt anmuten. Einigen Szenen wie ein Empfang unter Regenschirmen haftet durchaus etwas markantes an, wogegen andere aufgrund billiger Effekte wie Greenscreen beinahe unfreiwillig komisch aussehen.

Die Suche nach dem Täter gestaltet sich leider wenig spannend und es werden nicht allzu viele Hinweise gestreut, um ein taugliches Ratespiel zu veranstalten, zumal die Figuren recht beliebig kommen und gehen, weil entsprechende Erotikeinlagen dazu verleiten.
Als man sich dem Finale nähert, gestaltet sich der eigentliche Showdown recht temporeich, doch obgleich dieser mit einer handfesten Splattereinlage endet, gerät dieser viel zu kurz.
Danach entfaltet sich über die letzten zehn Minuten ein Erklärbär, da Voloshin offenbar bemerkte, wie verworren der Stoff bis dato erschien.

Die Relevanz des Titels, bei der ein Schlangensymbol aus dem Babylonischen mitmischt, passt zwar zur Pointe, doch neu erscheint diese beileibe nicht. Auf atmosphärischer Ebene geht der Stoff, nicht zuletzt aufgrund der gelungenen Soundcollagen in Ordnung, darstellerisch wird ebenfalls passabel geliefert, doch in Sachen Suspense und Mitfiebern kommt die Geschichte auf halber Strecke fast zum Erliegen.
5,5 von 10
 

Details
Ähnliche Filme