iHaveCNit: 15 Jahre (2024) – Chris Kraus – Wild Bunch Germany
Deutscher Kinostart: 11.01.2024
gesehen am 19.01.2024
Arthouse-Kinos Frankfurt – Cinema – Petit – Reihe 1, Platz 5 – 20:45 Uhr
2006 war Chris Kraus´ „Vier Minuten“ für Hannah Herzsprung die erste große Hauptrolle. An der Seite von Monika Bleibtreu wurde Musik zum Ausdruck von Wut, Hass und Gewalt im Gewand einer Geschichte von zwei Frauen mit tragischer Hintergrundgeschichte in einem Film, der auch dunkle Seiten der deutschen Geschichte in einer harten, „Systemsprenger“-artigen Art und Weise eine Kombination von „Good Will Hunting“ und „Whiplash“ gewesen ist. Diese „Vier Minuten“ habe ich auch vor einigen Tagen als Vorbereitung auf „15 Jahre“ noch einmal nachgeholt, weil mich „15 Jahre“ auf jeden Fall interessiert hat.
Jenny von Loeben ist nach ihrer Entlassung in einer Resozialisierung Teil einer christlich orientierten Reinigungskolonne. Während eines Reinigungsauftrags trifft Sie auf einen alten Bekannten, durch den Sie auf den bei ihm aufgenommenen syrischen Flüchtling Omar trifft. Ihr alter Bekannter hat die Idee, dass Jenny und Omar gemeinsam an einer Talentshow des Popstars „Gimmiemore“ teilnehmen, ohne zu ahnen, dass sich hinter „Gimmemore“ ihre ehemalige Jugendliebe verbirgt, für den Sie 15 Jahre hinter Gittern saß.
„15 Jahre“ ist sehr viel auf einmal. Gleichermaßen die Resozialisierung als auch den Weg zwischen Rache und Vergebung für Jenny von Loeben hier mit einer Geschichte über Migration und Integration anhand eines syrischen Kriegsflüchtlings, einer Geschichte über Musik und die Sprache der Musik, eine Geschichte über eine TV-Talentshow für Menschen mit geistiger oder körperlicher Benachteiligung die in sich fast wie eine satirische Karikatur wirkt – all das macht „15 Jahre“ zu einer sehr wilden Mischung, bei der nicht immer alles zusammenpassen und ineinandergreifen mag. Etwas befremdlich wirken da auch zum Teil die Effekte, wenn es zum Beispiel um einen Löwen oder auch einen Armstumpf geht – doch viel befremdlicher als das ist, dass ein Teil des vielleicht sarkastischen Humors des Films auch unfreiwillig komisch. Dennoch liefert Hannah Herzsprung in ihrer Rolle von Jenny von Loeben in ähnlicherweise großartig ab, wie sie es bereits in „Vier Minuten“ getan hat. Das gleiche gilt auch für die sehr engagierte, erfrischende Performance von Hassan Akkouch in der Rolle des Omar und auch die durchaus vielschichtige, ambivalente Darstellung von Albrecht Schuchs „Gimmiemore“, der in gewisser Art und Weise etwas geläuterte Menschlichkeit durchsickern lässt in einer fast parodielastigen Punk-Version einer Mischung aus Florian Silbereisen und Dieter Bohlen. Und selbst wenn der Film manchmal wie ein heilloses Durcheinander wirken mag, konnte er mich emotional begeistern.
„15 Jahre“ - My First Look – 7/10 Punkte