Review

Die Aufarbeitung häuslicher Gewalt kann in Filmen verschiedene Formen annehmen. Der Rachethriller funktioniert dabei auf eher primitiver, jedoch effektiver Ebene, während Horror und Mystery oftmals mit der Wahrnehmung der betroffenen Person spielen. Autorin, Regisseurin und Hauptdarstellerin Simone Geißler entschied sich tendenziell für die letzte Variante in Form eines kammerspielartigen Psycho-Thrillers.

Die Autorin Sorel (Geißler) hat sich in eine Ferienwohnung in der niedersächsischen Provinz zurückgezogen, um ihren Roman zu vollenden. Noch während einer Lesung wähnte sie ihren gewalttätigen Ex Nico (Lutz Scheffer) im Publikum und auch im Haus gehen merkwürdige Dinge vor sich, als Gegenstände am nächsten Morgen an anderen Stellen platziert scheinen.
Sollte ihr Ex etwa ihre Fährte aufgenommen haben?...

Das Unterfangen lebt in erster Linie von seiner bedrückenden Stimmung innerhalb einer weitgehend isolierten Situation. Das Wetter ist annähernd winterlich, das Haus abgelegen und ohne Internetverbindung und die sozialen Kontakte der Hauptfigur beschränken sich auf ein Minimum. Rasch wird klar, dass Sorel Opfer einer überaus toxischen Beziehung ist und anbei versucht, diese Erlebnisse in ihrem Roman einzubinden, während kurze Rückblicke während einer Wanderung des ehemaligen Paares auf einen niederträchtigen Mann hindeuten.

Allerdings und trotz allen Verständnisses von latentem Misstrauen erscheint Sorel alles andere als sympathisch, da sie selbst ihre besten Freundinnen unfreundlich abwürgt und auch gegenüber einer hilfsbereiten Verkäuferin nicht gerade entgegenkommend auftritt. Ein helfender Mechaniker, der sich um ihr defektes Auto kümmert, wird ebenfalls einige Male schroff abgewiesen. Der übermäßige Konsum von Wein hilft auch nicht, besser ins Innenleben der Protagonistin vorzudringen.

Insofern stellt sich lange Zeit die Frage, ob Sorel tatsächlich von Nico gestalkt wird, sie sich alles nur einbildet oder sogar den Inhalt ihres Romans in Bilder umsetzt, was bei fantasiebegabten Autoren gar nicht so selten ist. Allerdings ereignet sich innerhalb der isolierten Situation schlicht zu wenig, um dauerhaft für Spannung zu sorgen. Mal wird eine Bettdecke weggezogen, dann steht die Hintertür offen und scheinbar schleicht ab und an jemand ums Haus herum. Jedoch verdichten sich früh einige Hinweise, wohin die Reise führen dürfte.

Der finale Part bestätigt dies in einer etwas plakativen Form mit einer Holzhammermethode, die es in dieser Form nicht gebraucht hätte, um einem entsprechenden Kernthema Ausdruck zu verleihen. Überraschend gestaltet sich darüber hinaus gar nichts.
Auf darstellerischer Ebene geht das Spiel von Geißler ganz in Ordnung, wogegen einige Nebendarsteller etwas hölzern performen. Gut ist hingegen der Score, der sich der jeweiligen Stimmung effektiv anpasst, während ansonsten handwerklich alles im Rahmen ist.

Mit ihrem Regiedebüt hat sich Simone Geißler augenscheinlich ein wenig verhoben. Die Aussage, die final noch mit Texteinblendungen in Zahlen gefasst wird, ist durchaus relevant, die Umsetzung ist es aufgrund geringer Spannung und faden Unterhaltungswerts weniger.
Knapp
4 von 10

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