Review

Staffel 1

Ubisofts Redemption?

Wenn man als Videospielfirma einen gewissen (Mega-)Status erreicht, hat man es schwer. Und macht man es sich aus Gier und Turbokapitalismus auch schwer. Electronic Arts kann davon ein Lied singen. Und auch Ubisoft musste sich in den letzten 10-15 Jahren einiges von Spielern und einstigen Fans anhören. Da wird dann ganz schnell mal vergessen, dass der Spieleriese zwischendurch auch mal Meilensteine wie „Rayman Legends“ raushaut und (trotz Stellenabbau) immer noch zuverlässiger Arbeitgeber tausender Menschen rund um den Globus ist. Trotzdem würde auch ich zustimmen, dass Größe und Erfolg solchen Publishern selten gut tun und man viele tolle Figuren und IPs hat verkommen oder verbrennen lassen. Warum nie eine Fortsetzung zu o.g. Rayman-Platformer kam, wo „Beyond Good & Evil 2“ bleibt oder wie man Sam Fisher einfach hat links liegen lassen, sind da nur Spitzen vieler übler Eisberge. Und bei noch größeren Unterhaltungsriesen wie Sony und Disney spürt man momentan irgendwie ähnliche Entwicklungen. Das tut einem weh. Doch es gibt auch Hoffnungsschimmer. Wie „Captain Laserhawk“ auf Netflix, für den Ubisoft scheinbar und lobenswert gar keine Grenzen gesetzt und einige ihrer beliebtesten Figuren komplett, kreativ, krawallig auf den Kopf stellen hat lassen. Der „Blood Dragon Remix“ deutet es schon an: wir befinden uns in einer dystopischen Zukunftsvision zwischen Staatskontrolle, Fernsehpopulismus, Korruption und Polizeigewalt. Mittendrin der als Terrorist abgestempelte Dolph Laserhawk, der mit einer Crew verzerrter Versionen bekannter Videospielfiguren Widerstand leistet…

Bytes treffen Cyberpunkanime

„Captain Laserhawk“ kennt kaum Tabus. Diese sechs etwas über zwanzigminütigen Episoden sind vollgepackt mit Gaming-Easter Eggs und kreativen Spielereien, die alles enorm kurzweilig und auf den Zehen halten. Gerade wenn man auch nur einen minimalen Hang zum Gamepad hat. Der koksende Rayman als hetzender Late Night-Host ist da nur die Spitze des Eisbergs. „Captain Laserhawk“ hat Eier, Style und durchaus eine viel benötigte Dringlichkeit und Unverschämtheit. Das hätte man gerade vom „sauberen“ Ubisoft überhaupt nicht erwartet. Schmutzig, sexy, stark. Aufgrund von einem anstrengenden Job und meiner neuen Vaterrolle habe ich gar nicht mehr allzu viel Zeit Serien zu gucken - aber der kurze Abstecher in diese Synthwave-Actionorgie hat sich gelohnt. Ist in der Gesamtlänge ja auch kaum länger als ein Film. Die verschiedenen visuellen Stile halten einen auf Trab, der Score (wie von der Marke „Blood Dragon“ gewohnt) rockt, die Figuren hat man sich so noch nichtmal in seinen wildesten Träumen verzerrt. Es gibt Vibes von „Robocop“ bis „Cyberpunk 2077“, von „Undertale“ bis „Ghost In The Shell“. Es gibt keine Plotrüstung. Für niemanden. Und insgesamt kann man nicht anders als über „Captain Laserhawk“ in vielerlei Hinsicht zu staunen. Einer der absoluten Querschläger des Jahres. Und willkommen unkorrekt in jeglicher Hinsicht. Wenn auch eher für eine recht spitze Zielgruppe. 

Fazit: unfassbar was Ubisoft mit seinen Figuren machen lässt… unfassbar geil! „Captain Laserhawk“ ist ein feucht-fieser Zeichentrick(alp)traum für alle Gamer, Synthwave- und Animefans. Aber auch den Rest. Ziemlich abgefahren, anders, pervers, brutal, interessant. Tolle zwei Stunden für erwachsene Kinder. (8/10)

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