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Die junge Ärztin Malina kommt, nachdem sie und ihr Freund Enno Opfer eines Überfalls wurden, mit Gedächtnislücken und betäubter unterer Körperhälfte im Kofferraum eines Wagens wieder zu Bewusstsein... und muss zu ihrem Entsetzen feststellen, dass man ihr wohl eine Niere operativ entfernt hat. Da ihr Entführer aber nicht überprüft hat, ob sie ein Smartphone einstecken hat, kommt Malina, nachdem sie erstmal bei ihrer blöden Schwester durchklingelt, schließlich doch noch auf die smarte Idee, mal die Polizei zu verständigen. Die Beamtin am anderen Ende der Leitung muss nun fix handeln und irgendwie Malinas Position bestimmen, denn laut einem Gespräch, das die junge Frau überhört hat, erreicht man in ein paar Stunden einen Zielort in der tschechischen Pampa, wo sie spurlos beseitigt werden soll... Aufgrund seines klaustrophobischen Settings weckt das deutsche Beinahe-Ein-Personen-Stück "Trunk - Locked In" natürlich direkt mal Erinnerungen an das 2010er-Ryan Reynolds-Vehikel "Buried - Lebendig begraben"... dort war es ein Sarg, in dem der Protagonist gefangen war und nur gerade so per Handy Kontakt zur Außenwelt halten konnte, hier isses halt ein Kofferraum, der beinahe nie verlassen wird und in dem wir immerzu nah an der Hauptfigur Malina kleben. Als einigermaßen geübter Zuschauer erkennt man zudem schnell solche Vorbilder wie "Fleisch", "Ambulance" und "Spurlos verschwunden" wieder, bei denen Regisseur Marc Schießer kräftig abkupfert, um seine Thriller-Handlung mit unterlegter Organklau-Plotte zum Laufen zu bringen... anders als die besagten Streifen aber halt leider mit eklatanten Logik-Schnitzern und in typisch deutsch-drieseliger Manier mit Dialogen auf Seifenopern-Niveau, die aber trotzdem mit einer unangemessenen Theatralik dargeboten werden und der Chose schnell den Charakter eines unfreiwillig komischen Hörspiels verleihen. So hat "Trunk - Locked In" dann in der Hinsicht zumindest noch das "Glück" gehabt, nicht in den Kinos ausgewertet worden zu sein, sondern seine Premiere auf Prime Video zu feiern, denn auf der großen Leinwand wäre das Gezeigte wohl ein wenig dürftig gewesen, während der Film ob des überschaubaren qualitätiven Niveaus des üblichen Streaming-Ausschusses dort aber immerhin nicht groß auf- oder abfällt und sich in der breiten Masse verspielt. Abgesehen von den schauspielerischen Entgleisungen seiner Hauptdarstellerin hat Schießer allerdings das ganz große Problem, die Angelegenheit irgendwie erzählerisch in den Griff zu kriegen, ohne dabei nur schiere Langeweile zu verbreiten, weswegen er zwischendurch inszenatorisch frei dreht und die Kamera in einigen Passagen wild innerhalb des (geräumigen!) Kofferaums kreisen lässt, was aber halt dem bemüht heraufbeschworenen Gefühl der Beengtheit so ziemlich entgegenläuft...besser wäre es da gewesen, diese Momente mal direkt aus dem Film zu schmeißen und so dafür zu sorgen, dass die Chose verträglichere 70 bis 80 Minuten läuft und nicht über anderthalb Stunden, die sich teilweise ganz schön ziehen. Anstatt ein wenig das Genre zu bedienen, bestimmen hier nämlich eher breit ausgewalzte Aussprachen per Telefon, verhandelte Daddy-Issues und viel Geheule das Bild. Zumindest der Look stimmt aber und handwerklich ist "Trunk - Locked In" wirklich nicht von herkömmlicher Hollywood-B-Ware zu unterscheiden. Trotzdem: Mehr Melodrama als Hochspannung. Schade.

3/10

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