„Das ist doch kein richtiges Ende“, schimpft die ältere Frau und nimmt die DVD aus dem Player. Auf dem TV lief gerade der Schluss der zweiten Staffel RIGET, zu deutsch HOSPITAL DER GEISTER. Sie legt sich Stricke an, geht zu Bett, beginnt zu träumen und findet sich bald schlafwandelnd vor dem „Reichshospital“ wieder, in das sie sich einweisen lässt, um sich auf die Suche nach „Brüderchen“ zu machen.
So beginnt – nach 24 Jahren – die Fortsetzung von Lars von Triers dämonischer Comedyserie. Und sobald das Bild wieder rotstichig wird, die Drums einsetzen und der Männerchor „Oh death where is thy sting!“ singt, ist man wieder drin in der Welt der „Geister“.
Es ist sicherlich kein Zufall, dass wenige Jahre nach David Lynch nun auch Lars von Trier seine Erfolgsserie fortsetzt, war RIGET doch ursprünglich von TWIN PEAKS inspiriert. So wie Lynch spielt auch von Trier in seiner Fortführung mit Ebenen und Erwartungen. Eine Frau Drusse gebe es nicht im Krankenhaus, das sei eine Erfindung dieses Idioten Trier, heißt es an der Rezeption zu Schlafwandlerin Karen. Mit dem Hubschrauber wird der schwedische Oberarzt Stig Helmer Jr. eingeflogen, der Sohn des verstorbenen Dänenhassers Helmer aus Staffel 1 und 2 (Darsteller Ernst Hugo Järegård verstarb nach dem Dreh von Staffel 2). Seine Mission: Das Land kennenzulernen, das seinen Vater in den Wahnsinn getrieben hat – und „den dänischen Standard zu steigern“. Dabei schafft er es nicht mal, einen IVAR Stuhl selbst zusammenzuschrauben.
Gespielt wird Helmer Jr. herrlich überheblich von Mikael Persbrandt (grundsympathisch in SEX EDUCATION), der hier von seinen dänischen Kolleg:innen nach Strich und Faden vorgeführt wird, so dass er sich schließlich einer schwedischen Untergrundbewegung anschließt. Arzt Jørgen Krogshøj, so etwas wie der Held der ersten Staffeln, vegetiert zusammen mit den eremetierten Ärzten in einer Opiumhöhle im Keller des Krankenhauses. Neu im Darstellerteam sind Alexander Skarsgård schwedischer Anwalt mit „Sitz“ auf der Toilette und Willem Dafoe als dämonische Figur, die sich gelegentlich in einen Raubvogel verwandelt oder den Schmerzkongress in einer Polonäse über den Parkplatz führt. Neu dabei sind auch die dänischen Stars Nikolaj Lie Kaas als jähzorniger Chirurg sowie Nicolas Bro, der für die neue Patientin Karen die Rolle des Pflegers „Bulder“ einnimmt, obwohl er eigentlich „Balder“ heißt.
Als Karen sich dann auf den Weg in die Eingeweide der Klinik macht, wird es richtig abgefahren und zur absurden Workplace-Comedy gesellen sich – wie auch schon in den ersten beiden Teilen – zunehmend fantastische Elemente, wobei diese weniger im Horrorgenre angesiedelt sind, sondern eher surrealen Charakter haben. Insbesondere in den letzten beiden der fünf Folgen nehmen die Absurditäten überhand.
Lars von Trier lässt es sich nicht nehmen, auch diese letzten fünf Episoden zum jeweiligen Abspann zu kommentieren, bleibt dabei jedoch verschämt hinter dem traditionellen roten Vorhang verborgen. Aus Eitelkeit, wie er selbst kommentiert – von Trier hat Parkinson und man merkt es schon seiner Stimme an, dass er nicht in bester gesundheitlicher Verfassung ist. Möge er uns dennoch noch einige seiner einzigartigen Werke schenken.
Fazit: Die dritte Staffel „Geister“ ist eher Kommentar und Epilog als echte Fortsetzung, so wie es auch David Lynchs „Twin Peaks – The Return“ von 2017 war. Für manche Fans der Ursprungsserie sicherlich eine Enttäuschung, für andere ein amüsanter Nachklapp. Neueinsteiger beginnen besser mit Folge 1 und sind zu beneiden, diese Serie neu entdecken zu können.