Review

„Ich spüre, dass heute der Tag der Gewalt ist!“

Wie manch anderer Landsmann auch, drehte der italienische Regisseur Franco Prosperi („Junge Mädchen zur Liebe gezwungen“), der übrigens keinesfalls zu verwechseln ist mit dem gleichnamigen Mondo-Dreher, einen Beitrag zum Fantasy-Subgenre des Barbaren-Bullshits, mutmaßlich begründet durch die US-Produktion „Conan – Der Barbar“ im Jahre 1982. Prosperi ließ bis auf das titelgebende Requisit nichts anbrennen, wollte noch im gleichen Jahr mit „The Throne of Fire“ etwas vom Kuchen abhaben und verpflichtete Pietro Torrisi und Sabrina Siani für folgende abenteuerliche Geschichte:

„Die Macht des Feuers beherrscht niemand!“ (Siegfried, noch nie etwas von Ator gehört?)

Der satanische Dämon Belial (Harrison Muller Jr., „Söldner Attack“) vergewaltigt ein argloses Fräulein, um seinen Sohn Morak (ebenfalls Harrison Muller Jr.) zu zeugen, der später einmal als neuer König den von Odin geschmiedeten „Thron des Feuers“ besteigen soll. Doch hat er die Rechnung ohne den zeitnah ebenfalls gezeugten Siegfried (Pietro Torrisi, „Emanuelle im Sexrausch“) gemacht, der genau dies verhindern soll. Nachdem Morak fast das komplette Dorf dahingemeuchelt hat, will er die einzige am Leben gelassene Dame, die kämpferische Prinzessin Valkari (Sabrina Siani, „Mondo Cannibale 3“), ehelichen, was Grundvoraussetzung dafür ist, dass er nicht wie alle anderen Unglücklichen zuvor Feuer fängt und zum Häufchen Asche wird, sobald er sitzenderweise Anspruch auf den Thron erhebt. Stattfinden soll all das während einer Sonnenfinsternis, also bleibt Siegfried nicht viel Zeit, um die Holde heldenhaft zu erretten und Moraks Schreckensherrschaft den Garaus zu machen.

„Werft ihn in den Brunnen des Wahnsinns!“

Schon der Prolog macht die Marsch- bzw. Schleichrichtung dieses Testosteron-Tumbsinns deutlich: Nach einer angedeuteten Vergewaltigung (bei der man erst einmal darauf kommen muss, dass es sich um eine solche handeln soll) zwecks Stammhalterzeugung des Deibels schleppt sich das Opfer minutenlang schwanger durch den Wald – was Prosperi im Gegensatz zum Zeugungsakt auch explizit zeigt: Sie schleppt sich. Minutenlang. Der Film ebenso. Dies ändert sich kurzzeitig, als sich im Rahmen eines Barbarenkampfes halbnackte Prolls in superknappen Fetisch-Schlüpfern in einer Kieskuhle aufeinanderstürzen (angeblich geklaut aus „Das Schwert des Barbaren“!?). Doch da, ein Lichtblick! Die blonde Walküre Sabrina Siani stürzt ebenfalls, und zwar im Leder-/Fell-Bikini ins Bild. Gewinnt das Kostümfest jetzt an Charme, Anmut, Eleganz und Sex-Appeal? Nein, aber zumindest an Siani, deren spärlich bekleideter Körper fortan so manchen Fantasy-Fatzke bis zum kitschigen Ende durch den Film geführt haben dürfte.

Raus geht’s aus der Kieskuhle in die Schlossgemäuer, doch ansonsten gibt es nämlich nicht mehr viel zu sehen, was man wirklich sehen möchte. Spezialeffekte? Nun, ja, es sind welche vorhanden. Doch noch lächerlicher als die während Siegfrieds Angriff auf Belial sind die im wahrhaft wahnsinnigen „Brunnen des Wahnsinns“, in den der arme Siggi gesperrt wird und sich dort gegen eine hineingehaltene Plastikfratze, Ritterrüstungen und ein paar possierliche Tierchen verteidigen muss. Grandios-grotesk auch, wie sich Siegfried später mit Pfeilen bewerfen lässt. Besonders angetan hatten es Prosperi aber seine Kampfchoreographien, weshalb er sie immer wieder in Zeitlupe zelebriert. Welchen Effekt ständige Zeitlupen auf einen tendenziell doofen und langweiligen Film haben, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.

„Am Tage der Nacht während des Tages…“ (frei nach Loriot: zweites Futur bei Sonnenfinsternis)

Doch es gibt nicht nur etwas zu sehen, sondern auch zu hören, und das wären neben einem belanglosen Soundtrack diese unfassbar gestelzten, bemüht auf altertümlich getrimmten Dialoge, bei denen ich reflexartig und ohne es zu wollen auf Durchzug schalte und leider (?) kaum etwas haften bleibt. Doch das passt zum Film, in dem fast alles so aufgesetzt und gekünstelt wirkt wie in einer drittklassigen Laientheater-Aufführung. Zugegeben, zum Schmunzeln geben auch manch Zeilen Anlass; ich denke da z.B. an jene Wache, die, nachdem Siegfried als Unsichtbarer die Tür durchschritt und diese offen stehen ließ, zur anderen sagt: „Muss wohl der Wind gewesen sein!“ Spitze auch der Sianische Ausspruch „Eine Frau verfügt über Waffen, die kein Mann hat!“ – sprach die launenhafte und misstrauische Prinzessin und will innerhalb von Sekunden unseren Siggi nicht mehr umbringen, sondern mit ihm knutschen. Zum Knutschen solche Szenen!

Größtenteils jedoch wurde diese respektlose Durcheinanderwürfelung aus christlicher und nordischer/germanischer Mythologie, peinlichem Patriarchen-Protz und magischem Mumpitz schlicht langatmig, ohne Gefühl für Dramaturgie und Spannung, inszeniert und zudem schluderig geschnitten, so dass sie als wahrhaft schlechter Film zwar durchaus einen Kuriositätenbonus erhält, ansonsten aber auch unter Trash-Gesichtspunkten nicht ansatzweise soviel Freude bereitet, wie sie es theoretisch hätte können – das werden selbst anspruchsloseste Anabolika-Anbeter, Barbarenbusenfreunde, Schwertschwinger und Fellfetischisten konstatieren müssen. Ob Produzent Umberto Innocenzi später jegliche Schuld von sich wies, ist leider nicht überliefert (man verzeihe mir dieses Wortspiel).

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