Nachdem Tsui Hark mit Van Damme den eher durchschnittlichen „Double Team“ drehte, holte er den Actionstar in seine Heimat und lief dort mit „Knock Off“ zu deutlich besserer Form auf.
Inspektor Han (Michael Wong) ist hinter Gangstern her, die Minibomben in Schmuggelware einbauen. Er kann diese auch stellen, doch sie zünden einige Bomben und entkommen in dem Chaos, obwohl Han sie tapfer verfolgt. Das ist typisch Hongkongkino: Nicht lange fackeln, sondern ruckzuck zur ersten Actionszene kommen, ehe man sich daran macht wirklich mit der Story anzufangen.
Von dem Geschäft mit der Schmuggelware versucht Marcus Ray (Jean-Claude Van Damme) loszukommen, denn er will ehrlich werden und betreibt daher mit seinem Partner Tommy Hendricks (Rob Schneider) eine Abteilung von V-Six-Jeans, welche die Hosen in Hongkong fertigen lässt. Damit etabliert Hark auch direkt den humorigen Grundton des Films, denn „Knock Off“ nimmt sich selbst nicht sonderlich ernst und das ist bei dem oberflächlichen Treiben nicht von Nachteil.
Doch dann werden Marcus und Tommy mit Karen Lee (Lela Rochon) konfrontiert, einer Abgesandten von V-Six-Jeans: Die Hälfte ihrer gelieferten Jeans sind Imitate, billige Schmuggelware. Dahinter stecken natürlich die Gangster und so geht es bald rund, aber zum Glück kann Marcus nicht zur Jeans verchecken, sondern auch kräftig vors Fressbrett treten…
Die Story um Minibomben in Schmuggelware (geheimnisvolle Hintermänner und Verschwörung inklusive) ist natürlich nicht mehr als ein Alibi und nur mäßig glaubwürdig, aber Tsui Hark zieht hier so ein Tempo ab, dass das kaum auffällt. Alle paar Minuten darf man sich an der nächsten Keilerei, Verfolgungsjagd, Explosion oder sonst was erfreuen, während die Helden langsam Hinweise auf die Hintergründe sammeln. Durch die fetzige Machart kommt „Knock Off“ auf ein solides Maß an Spannung, auch wenn das Budget hier nur HK-Niveau hat (man siehe z.B. die etwas mau gemachten Explosionen).
Weiterer Pluspunkt ist die Tatsache, dass Tsui Hark sich hier regietechnisch richtig auslebt und den Film sehr schräg und ungewöhnlich inszeniert: Die Kamera wirbelt virtuos durch die Gegend, immer wieder werden Zeitlupe und Zeitraffer gezielt eingesetzt und noch vieles mehr in der Art, sodass das Zusehen allein schon Laune macht. Es gibt auch etwas Humor, vor allem durch Comedic Sidekick Tommy verkörpert. Zwar sind keine echten Brüller darunter, aber ein paar nette Sprüche regen doch zum Schmunzeln an. Auch die Art des Films hat deutlichen HK-Stil: So erinnert die Massenklopperei Van Dammes mit einer wahren Übermacht von Gegnern an Filme von Jackie Chan und Co.
Die Action ist sehr fetzig und bietet einen bunten Mix verschiedenster Stile. Die Explosionen sind trotz des geringeren Budgets ganz nett, die Verfolgungsjagden ansehnlich und die Stunts teilweise ziemlich spektakulär (z.B. als sich Marcus und Han auf das Schiff manövrieren). Hauptaugenmerk liegt aber auf den Fights und Shoot-Outs, die sehr akrobatisch daherkommen. Vor allem der Showdown auf dem Containerschiff ist virtuos gemacht. Van Damme wirbelt hier noch agiler und akrobatischer herum als sonst, dass es eine wahre Freude ist.
Van Damme gibt hier eine recht ironische Vorstellung und überzeugt, ebenso wie Rob Schneider, der sich zum Glück nicht allzu zappelig gibt. Lela Rochon und Paul Sorvino sind OK und auch Michael Wong macht eine ziemlich gute Figur. Die Nebendarsteller machen auch nichts verkehrt, zumindest für HK-Verhältnisse.
Die Story ist zwar leicht hanebüchen und nicht weiter von Belang, aber ein kurzweiliges und sehr flottes Actionspektakel ohne Längen ist „Knock Off“ dennoch.