Cameron Mitchell rides again. Zuvor noch unter der Regie von Müll-Meister Sergio Bergonzelli (in 'Das letzte Gewehr', aka 'Jim il primo' - siehe mein Review dort), jetzt unter der kompetenteren, aber etwas weniger exzentrischen Regie von Bruno Corbucci.
Und wieder ist Cameron ein müder Revolverheld, der sich gerne zur Ruhe setzen möchte und alle Rotzbengel des Westens zielsicher abknallt.
Wieder möchte er sich gern um eine junge Dame kümmern - diesmal jedoch nicht, um sie zu heiraten: hier ist sie nämlich seine Tochter!! So schnell kann sich das ändern.
Wieder bringt Mitchell seine Rolle sehr sympathisch und glaubhaft rüber. Auf der Seite der Bösewichter aber sieht es etwas weniger herzhaft aus, der Chef Georges Rivière ist ein kaltschnäuziger Fuchs (namens Fox) ohne viel persönlichen Einsatz. Begleitet wird er von einer Bande von jungen Lümmeln, die im Dorf Radau schlagen und auch von der Kleidung her sehr an die Bikergangs der 50er und 60er Jahre erinnern - auch das ein Element, das bereits in 'Jim il primo' umgesetzt wurde, und zwar liebevoller.
Fernando Sancho in seiner Standardrolle als 'Anführer' der Mexikaner kommt fein rüber: faul, dümmlich schlau, voll animalischer Gewalt und mit ner zerzausten Hühnerkeule in der Hand.
Ethel Rojo als Estella, eine heißblütige Mexikanerin zwischen den Fronten (sexy, bauchfrei), die gern ihr Spielchen mit den Männern treibt, was natürlich böse endet, ist ein Element, das die ganze Sache beträchtlich aufpeppt.
Die Rahmenstory um den Helden als unschuldigen Sträfling, der seine Rache will, hätte besser ausgearbeitet werden können, insbesondere was das Ende des Films anlangt; für dessen Anfang bietet sie aber einen interessanten und spannenden Einstieg in die Geschichte.
Insgesamt jedoch ist der Film etwas zu unausgegoren, um als "guter" Western überzeugen zu können, und handwerklich zu gut und zu sehr mit Blick auf ein konventionelles Publikum gemacht, um als "Trash"-Western überzeugen zu können.
Für letzteres greife man auf den oben genannten 'Jim il primo' (aka 'Das letzte Gewehr') zurück, für ersteres auf Corbuccis 'Django' und Konsorten.
Gut unterhalten wird man jedoch von der sorgfältigen Kameraführung und guten Kostümen, von der bisweilen harten Action (Kopfschuss, Abknallen eines wehrlosen Alten) und v.a. vom Schauspiel Sanchos, Mitchells und Rojos.