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Für sein Regiedebüt kommt dem südkoreanischen Kim Seong-sik zugute, bereits an einigen Projekten wie den oscarprämierten „Parasite“ als Assistent beteiligt gewesen zu sein. Obgleich die Adaption eines Webcomics wenig Substanz vorweist, kann sich das Debüt zumindest auf visueller Ebene sehen lassen.

Dr. Cheon (Gang Dong-won) und sein technischer Assistent In-bae (Lee Dong-hwi) betreiben einen Videokanal und verdingen sich als Geisteraustreiber, die in Wirklichkeit mit technischen Gimmicks arbeiten, um ihre Klienten zu täuschen. Als sich Yoo-gyeong (Esom) an die beiden wendet, wird die Lage allerdings ernst, denn ihre Schwester befindet sich im Bann eines Schwarzmagiers…

Kim Seong-sik wirft alle erdenklichen Genrezutaten in den Topf und rührt kräftig darin: Von Comedy über Fantasy, Krimi, Horror und Action sind viele Elemente auszumachen, während sich die Tonart im Verlauf mehrfach ändert. Hat man es zunächst mit dem amüsanten, jedoch auch leicht augenzwinkernden Treiben zweier Betrüger zu tun, wird es mit dem Betreten des Heimatdorfes der neuen Klientin deutlich düsterer. Man streift sogar das tragische Kindheitstrauma der Titelfigur, welche demnach noch eine Rechnung mit dem Bösen zu begleichen hat.

Flott wird die Geschichte vorgetragen und nur selten erlaubt sie sich eine kleine Ruhepause, etwa, als man ein weiteres Orakel nach möglichen Lösungen aufsucht. Die dazugehörigen Effekte können sich fast durch die Bank sehen lassen, obgleich einige Szenerien ein wenig nach Greenscreen riechen und das Schleudern mancher Körper infolge kurzer Actioneinlagen nicht immer in Relation erscheint. Dafür weiß der Score mit solider Untermalung bei Laune zu halten und auch die Spielfreude sämtlicher Mimen, insbesondere des charismatischen Hauptdarstellers tröstet über die eine oder andere Unzulänglichkeit hinweg.

Inhaltlich betritt man hingegen eher dünnes Eis und die Geschichte wirkt oftmals wie der Einstieg zu einer Serie, bei der die Figuren und deren Relationen im Verlauf noch näher durchleuchtet werden sollten. Über den älteren Wegbegleiter der Heldentruppe erfährt man fast gar nichts und auch, wie sich die beiden vermeintlichen Scharlatane einst begegneten, erschließt sich nicht. Allerdings sorgen kleine Flashbacks für die notwendigen Hintergrundinformationen hinsichtlich des Kindheitstraumas, während zum Finale primär die visuellen Effekte in voller Ladung eingesetzt werden.

Während die erste Hälfte vom trickreichen Zerfall des Magischen berichtet und dabei mit einiger Situationskomik arbeitet, wird es ab dem Mitwirken des Schwarzmagiers ein wenig düsterer, jedoch nie sonderlich blutig oder explizit gewalttätig. Abwechslung ist durch den Genremix durchaus geboten, jedoch mangelt es an markanten Eigenheiten, um sich deutlicher von der Masse ähnlich gelagerter Genremixe abzusetzen. Gegen eine einmalige Sichtung der kurzweiligen 98 Minuten spricht indes wenig.
6 von 10

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