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Von einem Auto angefahren und dabei schwer verletzt erwacht Katherine (Famke Janssen) auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Sie kann sich nicht mehr bewegen und ist praktisch gelähmt, nur durch das Hin- und Herrollen der Augen kann sie minimal kommunizieren - ein Umstand, den sich die betreuende Krankenschwester Mackenzie (Anna Friel) zunutze macht, indem sie der Verletzten Buchstabentafeln vorlegt. So stellt sich bald heraus, daß jemand Katherine umbringen wollte.
In zahlreichen Rückblenden eröffnet sich dem Zuseher dann die Vorgeschichte zu dem Unfall/Mordanschlag, wobei es eine ganze Zeit lang braucht, die äußerst komplizierten Familienverhältnisse zu entwirren: Einst ein gefeierter Filmstar, hatte Katherine einen reichen englischen Gutsbesitzer geheiratet und lebte mit diesem auf dessen splendiden Wohnsitz im ländlichen England. Als neue Ehefrau kümmerte sie sich dabei auch um den stets kränklichen Stiefsohn Jamie aus einer früheren Ehe ihres Mannes. Um diesem sein trotz des vorhandenen Luxus wenig erbauliches Schicksal zu lindern, hatte sie später die etwa gleichaltrige Tochter einer verstorbenen Freundin, Lina (Rose Williams), im Haus aufgenommen, und so wuchsen die beiden Kinder wie Geschwister gemeinsam auf.
Im Lauf der Jahre jedoch erlosch der Ruhm des einstigen Filmstars, und Katherine blieb nichts mehr als das Anwesen, als dessen Besitzerin sie sich zunehmend fühlte. Als ihr Ehemann jedoch starb, setzte er Jamie als Alleinerben ein. Noch schlimmer für die mittlerweile 50-Jährige war jedoch die Hochzeit von Jamie und Lina, womit sie vollends in die Abhängigkeit des jungen Pärchens geriet. Besonders gegenüber Lina, die sie einst "aus Mitleid von der Strasse holte", wie sie es anderen gegenüber schildert, entwickelt sie offene Feindseligkeiten. Denn die attraktive junge Frau, die in der Ehe mit dem nach wie vor phlegmatisch-kränkelnden Jamie eindeutig die Hosen an hat, kann sie jederzeit aus der Villa werfen. Katherine hat somit keine Verbündeten mehr, auch nicht den langjährigen Hausarzt der Familie, Dr. Lawrence (Alex Hassell), der als einziger Außenstehender die Familienverhältnisse kennt...

Der Stoff, den Regisseur Nour Wazzi in seinem Locked In betitelten Streifen abliefert, klingt trotz des spannend anmutenden Intros mit dem Autounfall schwer nach Seifenoper, und genau das - soviel sei vorweggenommen - macht auch den Hauptteil des Films aus: sterbenslangweilige Proponenten, die vor stilvollen Kulissen vorhersehbare Entscheidungen treffen, dabei jedoch in keinster Weise ein Mitfiebern begründen. Auch wenn der Film sich zum Schluß hin wieder einiger Thriller-Elemente bedient (durch erst jetzt gezeigte entscheidende Momente in den Rückblenden, die zuvor bewußt weggelassen wurden), vermag er keine Spannung mehr zu generieren.

Trotzdem die drei Hauptdarsteller das Beste aus ihren Rollen herausholen (Famke Janssen überzeugt als verbitterter Ex-Star, Rose Williams, die als einzige eine gewisse Charakterentwicklung durchmacht und dabei nicht immer die richtigen Entscheidungen trifft sowie Alex Hassell als lediger Schwiegermuttertraum) und ihnen somit kein Vorwurf zu machen ist, kommen sie nicht gegen das schwache Drehbuch an. Geradezu ärgerlich ist hierbei der Auftritt von Dr. Lawrence, einem Modellathleten und Schönling Anfang Vierzig, der erstaunlicherweise nicht vergeben ist und nach weniger als einer halben Stunde Filmlaufzeit in die Phalanx des frauen-dominierten Landsitzes einbricht. Man braucht weder Phantasie noch Kenntnisse über Herz-Schmerz-Dramen, um nicht augenblicklich zu wissen, wohin der Plot sich entwickelt - und das nach knapp 38 Filmminuten.

Fazit: Locked In ist eine kitschige Schmonzette, die sich zu Beginn und zum Schluß einiger Krimi-Elemente bedient (die Etikettierung mit Mystery oder gar Horror ist sowieso völlig daneben), dazwischen jedoch in bester(?) Schundroman-Manier träge dahinwabert, diverse Logiklöcher inkludierend. Freunde von Schwarzwaldklinik, Traumschiff und ähnlichen seichten Schmachtfetzen könnten einen Blick riskieren, alle anderen machen besser einen großen Bogen. 2 Punkte.

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