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In deutlicher Anlehnung an den ultimativen Weihnachtsklassiker „Ist das Leben nicht schön?“ mit James Stewart, im Original „It’s a Wonderful Life“, schickt sich Regisseur Tyler MacIntyre an, in weihnachtlicher Umgebung einen Slasher zu initiieren, welcher sich mit seiner Botschaft sogar der Vorlage nähert.

Der Schülerin Winnie (Jane Widdop) gelingt es, die Mordreihe in dem verschlafenen Nest Angel Falls zu stoppen und den Killer hinter dem Engelskostüm zu töten. Doch ein Jahr später kümmert sich niemand mehr um ihre Belange und so wünscht sie sich, nicht mehr zu existieren. Kurz darauf findet sich Winnie in einem Paralleluniversum wieder, in welchem der Killer nach wie vor aktiv ist, doch niemand der vermeintlich vertrauten Personen Winnie erkennt…

Die erste Viertelstunde setzt direkt auf Vollgas, als es ohne große Umschweife zur Mörderhatz geht, als würde man sich bereits inmitten des Showdowns befinden. Die wesentlichen Figuren sind rasch etabliert und man versucht vielleicht etwas zu auffällig auf die vorhandene Diversität hinzuweisen. Danach geht der Stoff in den Fantasybereich über, in dem Polarlichter am Kai eine Rolle spielen, während Winnie den Pfad einer Selbstfindung und Selbsterkenntnis beschreitet.

Das weihnachtliche Setting ist hervorragend gelungen, unterstützt von einigen mehr oder minder festlichen Klängen, wobei die überbetonte Harmonie mit einem leichten Augenzwinkern begleitet wird. Dennoch kommt der Humor insgesamt ein wenig zu kurz und Anspielungen auf Genrevertreter wie den fiktiven „I still know, what you did Last Christmas“ kommen leider viel zu selten vor. Auch die Figurenkonstellation bleibt recht überschaubar, was hinsichtlich des Ratespiels um die Identität des Killers eher anspruchslos bleibt.

Dieser taucht zwischenzeitlich etwas zu lange ab, während die betont ruhigen Passagen nicht immer mit der schnellen Gangart der Kills harmonieren. Jene weisen in der ersten Hälfte deutlich kreativere Einsätze als im weiteren Verlauf auf, da einige Ableben gar ins Off bugsiert wurden. Neben einem Kehlenschnitt und einem Stock durch die Kehle ist da kaum etwas explizites mitzunehmen.

Da sich die Erzählung ihrer Vorlage durchaus bewusst ist, wird diese mit Erwähnung der wichtigsten Figuren auch direkt genannt, wobei nicht von Vornherein klar wird, in welcher Beziehung der Engel Clarence hier eine Rolle spielen könnte. Erst gegen Ende, als es unvermeintlich doch ein wenig kitschig wird, kristallisieren sich jene Relationen deutlich heraus, wobei der eigentliche Showdown etwas zu hastig abgehandelt wird.

Während darstellerisch überraschend solide performt wird und ein Justin Long als überheblicher Bürgermeister immer nah am Rande des Overactings chargiert, ist der Chose handwerklich wenig anzukreiden, die wenigen Spezialeffekte fügen sich sauber ins Geschehen und der Score treibt in den wesentlichen Momenten ordentlich an.

Zwar ist die Balance aus weihnachtlichem Kitsch und der Boshaftigkeit durch einen Killer nicht immer ganz ausgewogen, doch die Mischung bietet prinzipiell die passende Grundlage für Leute, die es an den Feiertagen nicht nur rührselig mögen. Reine Slasherfreunde haben da phasenweise das Nachsehen, doch die originelle Grundidee und die finale Botschaft gleichen dies ein wenig aus.
6,5 von 10



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