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The Clue is in the title – das ist natürlich nicht immer der Fall, aber hier wollen wir mal eine Ausnahme machen, denn „It’s a wonderful knife“ ist natürlich eine Anspielung auf „It‘ a wonderful life“ (dt: "Ist das Leben nicht schön"), den allmächtigen amerikanischen Weihnachtsklassiker, in dem James Stewart nach einer üblen Pechsträhne wünscht, nie geboren worden zu sein, weil es so vielen Leuten in seiner Umgebung schlecht geht – und ein netter Engel erfüllt ihm den Wunsch. Was natürlich eine Pointe hat, denn Stewart ist so unrealistisch herzensgut, dass nach Jimmys Auslöschung die Stadt noch viel mehr in der Kacke versinkt.

Genau dieses Prinzip wendet Michael Kennedys Drehbuch mit einem winzigen Kniff auf diesen Film an: der Engel ist ein Killer, der Film ein Slasher. Ansonsten alles wie gehabt.

Kann man dennoch mit Spaß haben, denn Weihnachtshorror hat immer Konjunktur. Hier darf der sowieso auf ölige Arschgeigen herunter gekommene Justin Long den ekligen Kapitalisten geben, der für eine Shopping Mall im Herzen von Kleinstadt-Americana auch noch den letzten armen Bürger aufkaufen würde.

Das wiederum stört die junge Winnie, deren Vater leider viel zu lammfromm für Longs Henry Waters arbeitet. Und ja, dann killt der Killer ausgerechnet die letzten beiden Widerständler beim Aufkaufprojekt. Hmm…

Bevor jemand in die Verlegenheit kommt, darüber nachzudenken, der Film ist sehr stromlinienförmig angelegt und liefert eigentlich exakt das, was einem als Erstes durch den Kopf geht. Kennedys Drehbuch ist gut durchgepaust, basiert aber eben auf dem Kopiegag des 1946er Films und wenig mehr. Da war Kennedys Vorgängerskript für den – identisch „originellen“ Slasher „Freaky“ – schon ein wenig neuwertiger.

So gibt es also ein paar hübsche Verfolgungsjagden, ordentlich Gekreische, Schülerparties, es spritzt Blut und niemand ist sicher. Mittendrin sind immer wieder ein paar Tupfen aufgeklärte Moderne wahrnehmbar, leise Spuren von LGBT, aber der Film geht nicht allzu aufdringlich damit um – und substanziell sind gut 90 Minuten ja auch nicht zu lang, wenn der Aufbau schon allein ein Drittel des Films kostet.

Humor ist auch enthalten, meistens wenn das Skript in den Modus Schülerdramedy aus einschlägigen Coming-of-Age-Streamingserien schaltet, was wohl auf ein jüngeres Publikum zielt, bisweilen aber auch aus dem Berg an Frustrationen, den Protagonistin Winnie heraufsteigen muss, bis ihr quasi in beiden Welten nur noch die von allen – unverständlicherweise, aber so ist es ja auch im wahren Leben bisweilen – gescholtene weirde Outsiderin bleibt, der man allerdings schon von Szene 1 wegen akuter Willow-Cuteness ansieht, dass sie noch von elementarer Bedeutung werden wird.

Das alles wird angemessen attraktiv bis knackebunt dargeboten, insofern ein idealer Starthappen für das Halloweenhappening oder den Weihnachtsfrust, ehe man sich entweder mehr davon reinzieht oder zu ernsterer Genreware übergeht (6/10)








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