„Das Grauen kommt um 10“ ist trotz seines Klassikerstatus leider nur ein durchschnittlicher Vertreter des Horrorgenres.
Die 17jährige Jill Johnson (Carol Kane) ist als Babysitterin für zwei kleine Kinder engagiert worden, die bereits bei ihrer Ankunft ruhig schlafen, weshalb auch kein Grund besteht sie zu wecken. Doch bald erhält sie Anrufe von einem geheimnisvollen Unbekannten, der immer wieder fragt „Haben sie nach den Kindern gesehen?“. Damit kann der Film zu Beginn eine recht unheimliche Atmosphäre aufbauen und das simple Klingeln eines Telefons dämonisieren.
Bald reagiert Jill panisch und fühlt sich bedroht. Sie verständigt die Polizei, welche ihr rät den Anrufer in ein Gespräch zu verwickeln, damit die Polizei seinen Standort lokalisieren kann. Tatsächlich kann Jill den Unbekannten lange genug in ein Gespräch verwickeln, doch danach überschlagen sich die Ereignisse. Das genaue Ende der Eingangssequenz wird an dieser Stelle nicht verraten, aber diese Szene ist sicherlich das beste und spannendste an dem Film.
Sieben Jahre später: Der Mörder Curt Duncan (Tony Beckley), der Anrufer aus der Eingangsszene, bricht aus der Verwahrung in einer Anstalt für psychisch kranke Kriminelle aus. Der Ex-Cop und Privatdetektiv John Clifford (Charles Durning), der ihn damals verhaftete, wird von seinen ehemaligen Kollegen um Hilfe gebeten. Er begibt sich erneut auf die Jagd nach dem Psychopathen…
„Das Grauen kommt um 10“ wird immer mal wieder zitiert und es ist fast immer die Eingangssequenz, welche klar zu den Filmen gehört, die eine starke Inspiration für „Scream“ waren. Der Auftakt ist auch fast ein Film für sich und äußerst spannend geraten: Es wird konsequent Nervenkitzel aufgebaut, ehe die Szene ein überraschendes Finale erhält, was auch sowohl Drehbuch als auch Regie sehr packend gestalten.
Leider kann der Rest des Films mit dem Auftakt, der die ersten 15 bis 20 Minuten von „Das Grauen kommt um 10“ einnimmt. Stattdessen präsentiert sich der Rest als wenig temporeiche Psychopathenhatz ohne große Höhepunkte. In der Mitte versucht man sich mit der mäßig gelungenen Charakterisierung des Straftäters, was aber leider kaum mitreißt. So ist der Fiesling weder tragisch bemitleidenswert noch diabolisch fies, sondern einfach nur eine 08/15-Figur ohne Ausstrahlung.
Auch die Ermittlungsarbeit des Helden ist wenig spannend und ohne größere Kniffe gestaltet. So gibt es zwischendurch immer wieder Längen und erst gegen Ende kommt der Film wieder in Schwung, da er hier ein paar nette Wendungen und einen wirklichen guten Schockeffekt bieten kann. Leider ist das Finale genau wie der Auftakt nur eine Ausnahme in einem sonst wenig innovativen Genrefilm.
Charles Durning spielt seine Rolle alles in allem ganz OK, aber er hat schon wesentlich bessere Leistungen abgeliefert. Die restlichen Darsteller sind auch wenig herausragend, bieten aber immerhin auch keinen Grund zur Klage, was bei Horrorfilmen dieser Zeit ja nicht immer selbstverständlich ist.
Furioser Auftakt und nettes Finale, aber dazwischen Routine auf Autopilot ohne große Spannung – damit ist „Das Grauen kommt um 10“ leider nur guter Genredurchschnitt.