Im Grunde ist der menschliche Körper schon ein kleines Wunder, der zu allerlei Möglichkeiten fähig ist. Ab einem unbestimmten Alter geht es mit den meisten Funktionen leider etwas bergab und speziell bei gewissen Körperkulten ist der Leistungsdruck enorm hoch. Einer davon ist zweifelsohne die Abteilung Bodybuilding.
Mona (Jacqueline Fuchs) ist eine erfolgreiche Bodybuilderin in ihren Mittvierzigern. Schon bald steht wieder ein großer Wettbewerb an und ihr Freund und Mentor Kurt (Julian Sands) versucht alles, sie zu uneingeschränkter Disziplin und Höchstleistungen zu motivieren. Als Mona in der Sauna auf einen jungen Mann trifft, beginnt ihre Standhaftigkeit zu bröckeln und sie gerät in Konflikt mit ihrem Körper…
Ohne jenen Körperkult wären Personen wie Schwarzenegger oder Ralf Möller womöglich nie berühmt geworden, doch anderweitig sind die Erfolgsmöglichkeiten außerhalb diverser Wettbewerbe eher rar gesät. Wenn Menschen vor lauter Kraft kaum noch gerade gehen können, Steroide nicht nur kurzfristige Gefahren mit sich bringen und bei intensiv trainierten Frauen nahezu jedes Merkmal einstiger Weiblichkeit verschwindet, darf das durchaus mal infrage gestellt werden. Speziell hierzu ist die Regiedebütantin Grazia Tricarico angetreten.
Für Bodybuilder wird es rasch zur Obsession, dass jeder Muskel genau definiert ist, nirgends ein Gramm zuviel liegt und hierfür natürlich eine schier unmenschliche Menge Training notwendig ist. Wie ein Kunstwerk betrachtet Kurt seine Mona anfangs, zupft hier und da an der Haut und betrachtet sie kritisch von allen Seiten. Jede Form von Emotionalität wird abgeschaltet und komplett auf den Körper projiziert. Der Druck wächst, das Leiden auch und zeitgleich gibt es seitens Mona ein Verlangen nach Freiheit, was sich primär bei einigen Mentalübung offenbart, welche oftmals im Zusammenhang mit dem Element Wasser stehen.
Jene Passagen sind überwiegend kunstvoll und weitgehend stilsicher gestaltet, der dazugehörige Score entwickelt mitunter eine Sogwirkung und doch fragt man sich nicht selten, worauf die titelgebende Odyssee hinauslaufen mag. Sobald eine tiefe Stimme zu vernehmen ist, die als abgespaltenes Element von Monas Körper interpretiert werden kann, manifestieren sich immer mehr Zweifel bei der Protagonistin. Es kommt zu unangenehmen Alltagssituationen und doch ist kein wirkliches Fortkommen in der Entwicklung feststellbar.
Folgerichtig mäandert die Chose ab dem Mittelteil weitgehend ziellos vor sich hin, der anstehende Wettbewerb wird komplett vernachlässigt, aber auch die anfängliche Begegnung mit dem jungen Mann erhält bis auf eine Szene gegen Ende rein gar keine Bedeutung mehr.
Zwar mündet alles in einer Form der Befreiung, doch als finale Aussage ist dies ziemlich dürftig.
Bodybuilderin Fuchs performt zwar durch und durch überzeugend und hat absolut keine Scheu, sich in nahezu allen Belangen freizügig zu offenbaren und auch Sands ist wie gewohnt eine starke Bank, doch dies verschleiert nicht, wie dünn die eigentliche Geschichte ist und wie oberflächlich hinter die Kulissen des Business geschaut wird. Spannend gestaltet sich diese Odyssee leider zu keiner Zeit, lediglich einige surreal anmutende Eskapaden lassen phasenweise in leichte Träumerei abdriften. Entsprechend wechseln sich Faszination und Langeweile ab in den deutlich zu lang geratenen 100 Minuten.
3,5 von 10