Eine gewisse Routine ist im Bereich deutscher Fernsehproduktionen beileibe kein Nachteil, - immerhin drehte der gebürtige Finne Hannu Salonen unter anderem elf Ausgaben „Tatort“ und zahlreiche weitere TV-Formate. Dabei erscheint der Aufbau von „Blindspot“ phasenweise gar nicht so typisch deutsch.
Software-Entwickler Max (Klaus Steinbacher) wird jäh aus den Vorbereitungen auf einen großen Deal gerissen, als er erfährt, dass seine Frau Anara (Marlene Tanczik) nach einem Autounfall im Koma liegt. Als ihm die Ärzte mitteilen, dass das Kind im Bauch der Mutter wohlauf sei, beginnt Max Nachforschungen über ein mögliches Doppelleben seiner Frau anzustellen…
Hauptschauplatz des Geschehens ist Frankfurt. Hier liegen so große Deals in der Luft, dass gar Scheichs mit Gefolge aufkreuzen, um sich geduldig überzeugen zu lassen. Der clevere Einsatz von Max scheint sich dabei auszuzahlen, was anderweitig potenzielle Neider wie den Kollegen Patrick (Marcus Mittermeier) in den Kreis Verdächtiger geraten lässt. Trauen kann und sollte Max in dieser Situation ohnehin niemandem, denn im Zuge seiner Recherchen tun sich immer mehr Abgründe auf.
Routiniert und betont düster und farblos inszeniert Salonen seinen Psycho-Thriller, der im Verlauf immer mal wieder mit Mystery-Elementen angereichert wird. Dabei vermengt er geschickt und zusehends ineinander fließend Gegenwart und einige Rückblenden vor der Zeit des Unfalls, welche Aufschluss über die Beziehung und eventuelle Hintergründe liefern. Es ergibt sich ein kleines Verwirrspiel, bei dem womöglich Intrigen, Lügen und Täuschungen eine Rolle spielen könnten.
Im finalen Drittel wird der Bogen zwar ein wenig überspannt, zumal kurzfristig eine uralte Pointe zwischengeschoben wird, doch die letzten Einstellungen fallen durchaus aufschlussreich aus. Aufgrund der überschaubaren Figurenkonstellation sind zwar keine allzu großen Überraschungen zu erwarten, doch bis auf kleine Details am Rande ist die Auflösung in sich schlüssig.
Während darstellerisch stabile Leistungen erfahrener Mimen erbracht werden, hätte der Score noch etwas an der Intensität schrauben können und auch die Schauplätze fallen mit Luxussuite und klischeemäßigem Untergrundclub nicht immer überzeugend aus. Das Timing stimmt indes und es ergeben sich keine nennenswerten Längen. Somit ergibt sich ein durchaus sehenswerter und zuweilen spannender TV-Film auf überdurchschnittlichem Niveau.
6,5 von 10