iHaveCNit: The Iron Claw (2023) – Sean Durkin – A24 / Leonine
Deutscher Kinostart: 21.12.2023
gesehen am 23.12.2023 in OmU
Arthouse-Kinos Frankfurt – Große Harmonie – Reihe 6, Platz 9 – 18:00 Uhr
Wrestling ist eine besondere Kunstform – Die Mischung aus athletischem, artistischen und choreographierten Kampfsport und dem Erzählen von auch mitreißenden Geschichten übt auf mehrere Millionen Fans weltweit eine gewisse Faszination aus. Ich gehöre zum Teil auch zu diesen Personen und hätte ich die notwendige Zeit übrig, wäre ich auch ins gesamte tägliche Geschehen der großen Promotions WWE und AEW investiert. So riskiere ich auch heute noch immer gerne einen Blick auf die Großveranstaltungen beider Promotions. Bevor zum Beispiel beim Wrestler Cody Garrett Runnels Rhodes, besser bekannt unter „The American Nightmare“ Cody Rhodes das Theme „Kingdom“ von Downstait ertönt, wird sein Zitat „Wrestling has more than one royal family“ eingespielt. Familie und Wrestling ist ein Generationen übergreifendes Thema und so hat das Wrestling viele Familienbündnisse zu bieten. Sei es zum Beispiel die Familie vom erwähnten Cody Rhodes, der gesamte samoanische Stammbaum, aus dem der aktuelle Undisputed WWE Champion Roman Reigns und auch der große Hollywoodstar Dwayne Johnson hervorgehen, wie auch die McMahon-Familie, die eng mit der Führung der großen WWE verbunden sind. Genauso wie Familie ein Thema im Wrestling ist, ist Wrestling auch mit tragischen Verlusten verbunden. Zuletzt vor allem durch die Tode von Jon Huber „Brodie Lee“, Windham Rotunda „Bray Wyatt“ und Jay Briscoe – aber auch zum Beispiel die von Eddie Guerrero und Chris Benoit. Bei einer legendären Familie im Wrestling war das Thema von tragischen Verlusten auch stets präsent – der aus Texas stammenden Familie Adkisson, besser bekannt unter ihren Ringnamen – den Von Ehrichs. Regisseur Sean Durkin, der sich bereits in „The Nest“ unheilvollen Familiendynamiken widmete, hat nun mit „The Iron Claw“ den wichtigen Teil der Tragödie um die „Von Ehrichs“ inszeniert und damit für mich aus meiner Sicht ein schönes Highlight zum Ende des Jahres geschaffen.
Jack Adkisson stand einst unter dem Ringnamen „Fritz von Ehrich“ als Profiwrestler im Ring, doch der große NWA World Heavyweight Championship blieb im stets verwehrt. Doch genau diesen Erfolg wird er Jahre später für seine Söhne Kevin, Kerry, David und Mike einfordern, wenn er sie mit eiserner Hand zu genau diesem Erfolg bringen möchte, wohlweislich, dass scheinbar auf seiner Familie ein Fluch lastet, der mit diesem Erfolg einhergeht und auch seine Spuren in der Familie und den Söhnen hinterlassen könnte.
Wer einiges mit Darren Aronofskys „The Wrestler“, Stephen Merchants „Fighting With My Family“ , der Serie „Heels“ und auch Bennett Millers „Foxcatcher“ anfangen konnte, für den ist „The Iron Claw“ definitiv ein Film, den man sich ansehen sollte. Mit ein paar Kürzungen der tatsächlichen Geschichte um die Von Ehrichs, bei denen der älteste Sohn kurz Erwähnung findet und der jüngste Sohn überhaupt nicht im Film vorhanden ist, umschifft der Film ein wenig die Redundanz, die sich durch die bitteren Konsequenzen aus der tragischen Geschichte ergeben könnte. Wenn man die Geschichte des Films in Form eines Wrestlingmatches beschreiben würde, dann wäre der Film ein traditionelles Oldschool geworktes „Survivor Series Elimination Match“ mit 4 Teilnehmern auf jeder Seite. Im Verlauf dieses Matches können auf beiden rivalisierenden Seiten Mitglieder der Teams entsprechend durch Pin, Aufgabe oder auch Disqualifikation und Auszählen eliminiert werden. Das Gewinnerteam kann aus der vollen oder auch der reduzierten Anzahl der Mitglieder bestehen und hier als Sole Survivor das Match gewinnen. Im Falle der Von Ehrichs ist der zweitälteste Sohn Kevin hier der Sole Survivor der tragischen Geschichte, in der die Folgen des Leistungsdrucks im Sport und innerhalb der Familie wie ein eiserner, verfluchter Haltegriff, passenderweise den speziell von den Von Ehrich genutzten Aufgabegriff „The Iron Claw“, dafür sorgt, dass sich viele aus diesem Griff nicht lösen können und aufgeben müssen. Gerade hier hat mich dann am Ende aus persönlicher brüderlicher Perspektive auch jeder Verlust wie ein explosiver Spear ins Herz getroffen. Mit seinem großartigen Look, seinem tollen Ensemble und authentischen, von Chavo Guerrero Jr. konzipierten Wrestlingchoreographien im Oldschool-Stil der späten 70er und der 80er-Jahre hat mich der Film vollends begeistern können. Die „Von Ehrichs“ wurden im Jahre 2009 in die WWE Hall Of Fame aufgenommen. Filmisch gesehen hat es „The Iron Claw“ in meine Hall of Fame Class of 2023 geschafft.
„The Iron Claw“ - My First Look – 10/10 Punkte.