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Liebe mit 16 war zuerst, Und nächstes Jahr am Balaton könnte man als nahe Weitererzählung mit den ersten Problem(ch)en, Filme wie Bürgschaft für ein Jahr und Glück im Hinterhaus als später verordnete Betrachtung einer gescheiterten, dem Alltag keinen Widerstand und keine Hoffnung mehr gegenüberstellenden Beziehung und des jeweiligen Porträts der früheren Geliebten, dem nun wieder einzelnen Mann und der Frau sehen. Sieben Sommersprossen ist der bekannteste Film von Herrmann Zschoche in Sachen Liebe, hier noch vom Startpunkt weg der unbefleckten Natur, in der zwar auch nicht alles so einfach scheint, aber man die 'Mühen' noch wegen hundertprozentiger Hoffnung, wider besseres Wissen auch, wegen dem neuen überwältigenden Gefühl der Zuneigung zu einem anderen Menschen und dem sich Hingezogen fühlen zu einem bestimmten Gegenüber und dies über alle Maßen und alle Schranken auch auf sich nimmt. Eine Arbeit der Künstlerischen Arbeitsgruppe ›Johannisthal‹, Potsdam-Babelsberg:

Bei einem Ferienlager trifft die 14-jährige Karoline [ Kareen Schröter ] erneut auf den ein Jahr älteren Robert [ Harald Rathmann ], mit dem sie früher zusammen in Berlin in einem Hochhaus gewohnt hat. Beide verlieben sich ineinander, was vor allem Marlene [ Janine Beilfuß ] nicht passt, die ebenfalls in Robert verschossen ist. Unterstützung bekommt das angehende Paar durch den nur unwesentlich älteren Betreuer Benedikt [ Jan Bereska ], der mit seiner Kollegin Bettina [ Evelyn Opoczynski ] die Aufsicht über die Jugendlichen hat; ein Problem hat man vor allem mit der Leiterin des Lagers, Frau Kränekl [ Christa Löser ], die so ein Treiben nicht gutheißen kann und auch andere Verstöße gegen die Ordnung gar nicht gern sieht.

Staatlich verordnetes Ferienlager (im Pionierlager “Am Hölzernen See“, Nordosten des Landkreises Dahme-Spreewald in Brandenburg) steht auf dem Programm, 'Kinder' jeglichen Alters und jeglicher Herkunft zusammen, Mädchen und Jungs aber nach Baracken getrennt und Besuche gegenseitig auch untersagt: wo kämen wir denn sonst hin? So richtig Erholung ist auch nicht geplant, Dauerlauf am Morgen, Sportfest plus der Erwerb des Sportabzeichens, Erntehilfe in der LPG, Besuch im Reifenwerk an dessen statt, damit der junge Körper gedeiht und der junge Geist nicht auf die falschen Ideen kommt oder gar auf Abwege gerät.

Für Beide ist es dennoch eine Auszeit und eine Flucht, er wird vom Vater wegen schlechter Noten und dies widersprechend einem vom Vater angedachten Studienplatz getriezt. (Worauf er mit Auszug droht, falls das Lamentiere weiter geht; die Naivität der Jugend und die Trotzigkeit ist doch schön.) Bei ihr hängt der Frauenhaushalt laut und schief, die eine Schwester hat schon ein Kind, aber kein Mann bzw. nur einen abwesenden auf Hoher See und auch so mit der Überforderung ein Problem; wobei die auch männerlose Mutter aushilft, dies aber nur mit einem Korn am frühen Morgen aushält. Ein Wiedersehen ist es auch, hat die hiesige Handlung eine Vorgeschichte, in der sich Zwei schon mal gefunden haben und nur vorübergehend und bis zum jetzigen Zeitpunkt getrennt.

Das “Romeo und Julia“ - Stück dabei als Steigbügel und Analogie zur realen Handlung des Gegenwartsfilmes, ein leidiger MacGuffin übrigens, was nicht nur die gesetzte Anstaltsleitung, der Dragoner in Trainingsanzug mit ihrer strengen Brille so sieht und lieber ein FDJ-konformes Theater vorschlägt. Sowieso herrscht hier neben einer dramatischen Überhöhung, in der beinah der Shakespeare in Sachen Schicksal und Zufall eingeholt wird, bald Sodom und Gomorrha im eher weichen Orwocolor, wird im Nachthemd um einen Baum herumgetanzt, bevor es ganz nackert wie Adam und Eva ins Paradies zugeht und knutschen selbst die Betreuer, was nun nicht gerade im Sinne einer aufseherischen Pflicht ist. Ein Abenteuer, ein Spiel, ein Ausprobieren im geografischen Niemandsland und auch in der Entwicklung zwischen Kind und Erwachsensein, wo man das eine nicht mehr und das andere noch nicht ist. Nacktszenen kommen unvermittelt, sind nicht vorbereitet und nicht dramaturgisch aufgebaut, eher fehlt der Schritt dahin und eher geht man von einer Annäherung der beiden in der Szene direkt davor weg. Eine Freizügigkeit, die hier trotzdem natürlich und normal wirkt, auch nicht erotisch oder gar sexuell, wobei die Beziehung der Beiden aber auch nie wie die große erste Liebe wirkt, sondern viel zu vertraut dafür ist; man ja aber die Vorgeschichte nicht kennt.

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