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Bereits 2017 verschlug es den russischen Regisseur Dmitriy Kiselev ins Weltall, als er mit „Spacewalker“ die Schwerelosigkeit ausprobierte. Bei vorliegendem Katastrophenszenario spielt jene nur eine Nebenrolle, während das verhängnisvolle Treiben auf der Erde phasenweise eine ungeahnte Dynamik mit sich bringt.

Seit sechs Jahren befindet sich Arabov auf einer Raumstation im All. Seine 15jährige Tochter Lera befindet sich mit Tausenden Menschen rund um Wladiwostok indes in einer Misere, nachdem ein Meteoritenschauer auf die Erde niederging. Per Satellitentelefon und Kameras versucht er Lera durch die Trümmer zu lenken…

Nach einem etwas zu ausführlichen Vorspiel, aber einer soliden Etablierung der beiden Hauptfiguren nebst Kindheitstrauma fokussiert Kiselev die Handlung in Richtung Action, was definitiv den Höhepunkt des Treibens markiert. Einige Sequenzen wurden in recht lange Takes verpackt, bei denen eine regelrechte Materialschlacht vonstatten geht. Zahlreiche Bauwerke stürzen in sich zusammen oder fallen teilweise auf die Straßen, es gibt Explosionen und zahlreiche Blechschäden bei fliehenden Zivilisten. Ein Szenario, das einer Hatz durch die Hölle gleichkommt.

Zunächst bedient sich die Handlung formelhafter Grundsätze des Katastrophenfilms, indem Familie und Freunde als Bindeglied der Hoffnung dienen, obgleich der Vater Tausende von Kilometern aus dem All operiert. Hier kristallisieren sich unweigerlich kleine und größere Unwahrscheinlichkeiten heraus, die nicht erst beim Funkkontakt durch einen Teddy einsetzen.
Neben der KI Mira in der Raumstation scheint es beinahe spielerisch zuzugehen, wenn per Satellit Ampel und andere Wegweiser für eine Schnitzeljagd dienen, während ein beliebiger Tanker locker mit einem detaillierten Plan ins Visier genommen wird.

Leider mehren sich speziell im letzten Drittel sentimentale Anleihen, was zuweilen ins arg Rührselige abdriftet und dem Treiben die Dynamik raubt. Diesbezüglich enttäuscht das Finale ein wenig, obgleich auch hier mit einem überzeugenden Szenenbild gearbeitet wurde.
Immerhin liefern die Mimen durch die Bank brauchbare Performances ab und auch die dazugehörige Synchro ist als professionell zu bezeichnen.

Mit rund 116 Minuten vielleicht ein wenig zu lang ausgefallen, liefert Regisseur Kiselev einen teils temporeichen und sauber inszenierten Actionfilm, der sich mit seinen geballten Effekten nicht hinter Hollywood zu verstecken braucht. Dem glaubhaften Weltuntergangsszenario stehen gegen Ende leider einige kitschige Einschübe im Weg, doch wer über einige hanebüchene Anleihen hinweg sehen kann, erhält einen passablen Genrebeitrag.
6,5 von 10  

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