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Home Invasion ist ein inzwischen gut etabliertes Subgenre des Thrillers, welches trotz zahlreicher Variablen nur selten überrascht. Dennoch ist es Regisseur und Co-Autor John Fallon gelungen, die volle Bandbreite des Kernthemas auszubreiten: Die latente Unberechenbarkeit durch einen Fremden.

Das hübsche Wochenendhaus am See sollte für Gouverneur Will (Nick Baillie), seine Frau Lauren (Melissa Anschutz) und seine Stieftochter Erin (Alix Lane) als kleine Entspannung für die gestresste Familiensituation dienen. Doch als der fremde Jesse (Kevin Interdonato) mit einer vermeintlichen Autopanne am Haus aufkreuzt, wendet sich das Blatt schlagartig…

Worauf die Chose unweigerlich hinausläuft, offenbaren bereits die ersten Einstellungen, als Will blutig und mit einem Knebel im Mund am Boden liegt. Daraufhin wird die Konstellation mit nur wenigen Einstellungen verdeutlicht, als die Tochter stumm an Will vorbeigeht, während Lauren ihren Mann zumindest begrüßt, später aber in der Küche für ein emotionsloses Dönern herhalten muss, - hier ist von Vornherein etwas toxisches im Gange.

Die simple Erzählung kommt rasch auf den Punkt, denn ohne große Umschweife befinden sich alsbald alle drei auf dem Sofa fixiert, während Jesse dem Politiker drei unangenehme und entlarvende Fragen stellt, die bei falscher Beantwortung natürlich körperliche Konsequenzen mit sich führen wird. Früh kristallisiert sich eine gewisse Impulsivität seitens des Eindringlings heraus, was die Angelegenheit für alle Beteiligten unangenehm gestaltet.

Anbei geraten Themen wie Machtmissbrauch und Korruption in den Fokus und unweigerlich schwanken die Sympathien angesichts einiger Enthüllungen. Was in diesem Zusammenhang zwei weitere Nebenfiguren von Will wollen, die sich ebenfalls auf dem Weg zum Politiker befinden, erschließt sich indes nicht und auch deren Mitmischen wirft im Verlauf kleine Fragen auf und deutet überdies auf die Herkunft einer eher günstigen Produktion hin, als ein Schusswechsel außerhalb des Hauses stocksteif in Szene gesetzt ist.

Ansonsten setzt die Kamera auf einige Nahaufnahmen, welche die Bedrohung verstärken, während der Score effektiv und mit dumpf wummernden Bässen die unterschwellige Gefahr untermalt. Darstellerisch sticht primär Interdonato als Eindringling hervor, der zugleich am Drehbuch mitwerkelte. Die eher zurückhaltenden Performances der Damen fügen sich hervorragend ins Bild, während Baillie den arroganten Politiker recht überzeugend mimt und dafür sorgt, stets zwischen Empathie und Antipathie zu wechseln.

Glücklicherweise zaubert Fallon noch ein, zwei Wendungen aus dem Ärmel, die trotz kleiner Logiklücken bezüglich des Vorangegangenen einen emotionalen Effekt auslösen. Die letzten Einstellungen fügen sich zumindest gut ins Gesamtbild und werden ihrem ursprünglichem Titel durchaus gerecht.

Denn am Ende stellt sich unweigerlich die Frage, wer hier nun bösartig handelt und wer auf moralischer Seite überhaupt die Oberhand behält. Das ist mit einfachen Mitteln und angemessenen Gewalteinlagen gut auf den Punkt gebracht, wobei die Chose nie zur puren Gewaltverherrlichung ausartet.
Das Endergebnis vermag durchaus zu überzeugen, wodurch eingefleischte Genrefans bedenkenlos einen Blick riskieren können.
6,5 von 10



 

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