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Influencer-Horror ist vom Begriff her ja bereits ein Pleonasmus, - der vom alten Greis bis zur toten Leiche reicht. Aber der belgische Filmemacher Michael Dupret hat es sich nicht nehmen lassen, auf diesen Zug aufzuspringen und digitalen Grusel mit Anleihen eines Slashers zu variieren.

Nach ihrem Urlaub auf Bali und dem zufälligen Treffen mit Influencer Scott schnellen die Zahlen des Social Media Accounts für Schülerin Anna (Hannah Mciver) ordentlich in die Höhe. Während sie zunächst ihre Mitschülerinnen prankt, geraten die digitalen Spiele schon bald außer Kontrolle, denn etwas scheint von Anna Besitz ergriffen zu haben…

…und es ist die unablässige Verwendung des Mobiltelefons. Bei diesem Klientel scheint es sich zu verhalten wie mit der Notwendigkeit eines Herzschrittmachers: 20 Sekunden außer Betrieb und du läufst akut Gefahr, den Löffel abzugeben. Dies kristallisiert sich bereits mit der Eröffnungssequenz heraus, als Anna in einer malerischen Umgebung filmt, von der sie herzlich wenig registriert, da sie nur sich selbst im Fokus sieht. Hinzu gesellt sich enervierendes Gelaber und schon ist es um etwaige Sympathieträger richtig schlecht bestellt.

Ihre Eltern haben dem wenig entgegen zu wirken, während sich selbst Lehrkörper während der Philosophiestunde auf Fragen der persönlichen Entwicklung innerhalb der digitalen Welt einlassen. Folgerichtig gibt es viele Perspektiven auf dem kleinen Bildschirm, zahlreiche Textnachrichten mit entsprechenden Emojis und leider lange Zeit keine düsteren Vorzeichen übersinnlichen Hinzutuns. Dies geschieht erst, als ein vermeintlich zufälliges Nasenbluten bei einem Mitschüler einsetzt, wo bezeichnenderweise zehn Leute ein Handy zücken, aber nur eine Person ein Taschentuch reicht.

Ein wenig interessanter gerät die Chose erst, als Anna eines Abends allein im Haus ist und ein mysteriöser Nachbarsjunge ein dubioses Verhalten an den Tag legt. Hier greifen schließlich einige Mechanismen des Slashers, als Geräusche zu Missverständnissen führen und offene Haustüren auf fremden Einfluss hindeuten. Bis auf einige Szenen mit unnötiger Wackelkamera zeigt sich das Handwerk visiert, das Timing passt und auch der Score liefert passabel.

Hinzu gesellen sich einige wenige Gewalteinlagen, die von Kehlenschnitt über gebrochene Finger bis zu kleineren Wunden reichen, während schwarze Klüsen für ein finsteres Pendant sorgen und das Tempo insgesamt merklich angezogen wird. Mit etwas mehr Feinschliff wäre sogar mehr Raum für Zynismus gewesen, wie eine makabere Präsentation für eine etwas andere Hautcreme offenbart. Bei alledem performt Hauptdarstellerin Mciver recht variabel, obgleich sie die Bürde einer nicht übermäßig sympathischen Schülerin tragen muss.

Vielleicht ist es einmal mehr eine Frage der Zielgruppe, doch das digitale Drumherum ermüdet rasch und trotz kleiner Verfremdungen bleibt der Ursprung des Bösen doch eher nebulös. Das finale Drittel bringt zwar ein wenig Suspense ins Spiel und es fließt etwas Blut, doch letztlich bleibt die Angelegenheit weitgehend austauschbar und, aufgrund mangelnder Personality auch eher seelenlos.
4,5 von 10



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