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Das Schicksal einer jungen Indianerin thematisiert Apache woman , ein schon nach der Westernwelle Mitte der Siebziger Jahre abgedrehter Streifen, der einige Anleihen beim berühmten Wiegenlied vom Totschlag nimmt.

Auf der Suche nach Indianern ("...die wollen uns massakrieren. Also kommen wir ihnen zuvor!") zieht ein verdächtig kleiner Haufen Soldaten durch die Prärie und metzelt einige als Apachen vorgestellte Indianer nieder. Lediglich die junge Indianerfrau Sunsirahè (Yara Kewa aka Clara Hopf) überlebt. Tommy (Al Cliver), einer der Soldaten, der bei dem Überfall vor Schreck vom Pferd in ein Gebüsch gefallen ist, nimmt sich der jungen Dame an - erst widerstrebend, dann aber immer überzeugter. Gemeinsam ziehen sie durch die Lande und müssen sich gegen Banditen und andere ihnen eher feindlich gesinnte Mitmenschen erwehren. Beide überleben es nicht und sind am Ende tot, was im Film eher als melancholisch-rührseliges Ende denn als knallhartes Drama rüberkommt.

Was als Erstes und am meisten auffällt, ist das wenig überzeugende Setting und die recht südeuropäisch aussehenden Darsteller: Die Soldaten, die da durch das recht europäisch anmutende Strauchwerk reiten (die staubigen Pfade vor weitläufigen Canyon-kulissen sucht man in dieser italienischen Produktion natürlich vergeblich) sehen wie Desperados aus und tragen ihre Kleidung eher leger. Das Indianerdorf - immerhin hat man ein paar wenige Tipis zusammengebaut, diese stehen allerdings auf einer schiefen Ebene am Waldrand eines Berges - wird mit wildem Peng-Peng überfallen, aber als der erste Indianer dann mit einem Pfeil einen der Angreifer trifft, fliehen die anderen ganz schnell ohne sich umzudrehen. Kurz danach kommt ein Planewagen des Weges (muss ja eine belebte Strasse sein, diese Wiese am Berghang), dessen Lenker dem wieder erwachten Tommy eins mit der Schaufel überzieht und die Toten, inklusive dem Soldaten, ausraubt. Das überlebende Indianermädchen nimmt er auch mit, bevor er dann auf einem Kiesweg (was es alles im wilden Westen gab!) dann von einem quer liegenden dünnen Ast gestoppt wird, den zwei Ganoven dort deponiert haben. Das alles hört sich nach italienischer Schmierenkomödie an, und dieser Eindruck verstärkt sich noch, wenn man einige nicht synchronisierte Passagen im italienischem Originalton dazwischengeschnitten sieht. Auch der Score passt stellenweise eher zu einer seichten Komödie als zu den dargebotenen "harten Burschen" mit ihren markigen Sprüchen.

Was man Apache Woman zugute halten muss, ist das Bemühen der Schauspieler, wenigstens ihre Rollen ernst zu spielen. Dass dieses Bemühen nicht im mindesten an die bekannten US-amerikanischen Originale heranreicht, ist eine andere Sache.

Einen besonderen Hinweis verdient mal wieder das Cover - die große Hartbox von X-Cess zeigt eine nur mit einem Lendenschurz bekleidete gefesselte Indianerin, die an einer Leine von einem Reiter geführt wird... auch die drei Szenenbilder auf der Rückseite lassen recht eindeutig auf (S)exploitation schliessen, der Film berührt diesen Aspekt jedoch nur ganz am Rande - ein wenig nackte Haut ist zu sehen, doch kann sich Sunsirahè den Zudringlichkeiten meist erwehren, und wenn nicht, ist ja noch Tommy (dem sie die Stiefel geklaut haben) zur Stelle.

Für Genrefreunde ist Apache Woman sicher ein netter Film für die Sammlung, aufgrund des unspektakulären Verlaufs, der eher auf emotionale Dramatik denn auf Spannung setzt, stellt sich beim Sehen leider schnell eine gewisse Langeweile ein. Am Ende siegt das Böse, das Gute geht sang- und klanglos unter. Auch gibt es keine Szene, die man sich merken könnte, zu vorhersehbar verläuft das Ganze. 3 Punkte.

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