Oh je, „Dark Windows“ – ein paar junge Leute fahren nach einer Tragödie in ein Wochenendhäuschen in der Kill-mich-Allee, was soll das bloß werden?
Ergebnis: es gibt Schlimmeres.
Es gibt auch Besseres.
Aber wenn ein Regisseur – und Alex Herron ist zum Glück mal ein ernst zu nehmender Vertreter seiner Kunst – die Chose schon mal consumerfriendly auf 77 Minuten eindampft, dann muss ich mich auch nicht allzu sehr winden.
Herron war ja eigentlich lange Jahre als Regisseur für diverse Bands und deren Promoserien unterwegs, aber „Dark Windows“ ist nach „Leave“ sein zweiter Langfilm und wenn er auch nicht das Pulver neu erfindet, weiß er immerhin ganz genau, was er tut.
„Dark Windows“ beackert – wie schon angedeutet, thematisch bekanntes Schuldterrain Marke „Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast“ und da steht das Tor seit Minute 1 offen. Ein Wagen, vier junge Leute, ein Unfall, ein Mädchen tot, drei Überlebende – die Trauerfeier wird keine Party, soviel ist klar. Autor Ulvrik Kraft, ein norwegischer junger Produzent, der schon an „Leave“ beteiligt war, ist so europäisch, wie es eben geht. Nah an die Figuren, nah an die Gefühle. Da kann uns die Backstory noch so häufig erzählen, dass wir uns in den US of A befinden, alles hier stinkt nach Europa und wurde auch komplett in Norwegen gedreht (was man an dem Wochenendhaus gut erkennen kann).
Derweil geht der Film in die Vollen: die Family schweigt sehr bedeutsam, nur Onkel Bob mit den trauernden Stielaugen sagt Tilly (die wir inzwischen als Protagonistin ausgemacht haben), dass es besser sie getroffen hätte. Da hat man natürlich ganz dringend das Bedürfnis, das Feld zu räumen. Und eigentlich würde Tilly mit Psychopharmaka auch gern trauern, aber die Mitfahrer Monica und Peter haben eben den Plan mit der Wochenendsause zum Kopfclearen.
Wobei Peter ein permanent süffelnder Wuschel ist und Monica ziemlich schizo zwischen empathisch und formvollendeter Arschlochbitch hin und her schwankt. Warum die mal befreundet waren, weiß man nicht, warum sie es angeblich immer noch sein wollen, keine Ahnung.
Und so zickt man sich dann auch an, spricht wieder emotional miteinander, dann kotzt man sich wieder aus.
Das ist alles super gespielt, allein die Gemengelage ist seltsam und warum Tilly ihrer Monica im Party-statt-Trauer-Modus mit neuen dollen Jokes nicht mal gepflegt die Schnauze poliert, wird zum größten Nervapfel dieser Chose.
Natürlich schleicht auch noch ein maskierter Bösling durch den Tann und da dies kein Slasher, sondern ein Thriller ist, ahnt man natürlich schnell, welche Rechnung hier noch offen ist. Besonders originell ist das sicher nicht, da sich außer Onkel Bob niemand als Täter anbietet, bis es am Ende dann doch ein ganz anderer ist.
Das hat dann für mich den abgestandenen Tee dann auch in die solide Durchschnittswertung aufsteigen lassen, denn die Konflikte der drei sind tatsächlich interessanter als der schleichende Killer und das Finale zeigt dann auch mit bemerkenswerter Radikalität, was wir den ganzen Film sowieso schon geahnt haben – und verblüfft mit einer finalen Pointe, die nicht nur die Figuren wie den Zuschauer brüsk stehen lässt – nur dass es narrativ diesmal irgendwie dazu passt.
Alles in allem ein Film, den man nicht scheuen muss und der sich das Nachdenken darüber redlich mit seinem Plot verdient und selbigen trotz des bekannten Tableaus nicht in Klischees ersaufen lässt. Etwas weniger Geheule und etwas mehr strukturierter Widerstand im Eins-zu-Eins gegen den Angreifer hätte das alles in den komplett positiven Bereich verschoben, aber lasst euch dennoch nicht abhalten, das ist solider Stoff im Mittelklassesegment. (5,5/10)