„Do Not Disturb“: Humor zwischen Melancholie und Skurrilität
Cem Yılmaz, bekannt für seine vielseitigen Rollen und einzigartigen komödiantischen Werke, kehrt mit „Do Not Disturb“ zurück, um eine Figur weiterzuführen, die bereits in „2 Arada“ ihre erste Leinwanderfahrung machte: Ayzek. Diesmal nimmt Yılmaz den Zuschauer mit auf eine turbulente Reise durch eine skurrile Nacht, in der Realität und Absurdität ineinanderfließen.
Eine der größten Stärken des Films ist die schauspielerische Leistung von Cem Yılmaz. Er bringt Ayzek, den eigenwilligen und leicht naiven Nachtportier, mit viel Feingefühl auf die Leinwand. Der Charakter bewegt sich geschickt zwischen komischen und tragischen Momenten, wobei Yılmazs Talent, eine tiefe Menschlichkeit in das Absurde einzubringen, hervorsticht. Er schafft es, den Zuschauer gleichermaßen zum Lachen und Nachdenken zu bringen. Unterstützt wird er durch eine exzellente Besetzung, insbesondere Ahsen Eroğlu als Suhal und Zafer Algöz als Salih, die beide starke und komödiantische Akzente setzen.
Die filmische Inszenierung ist visuell ansprechend. Die düstere, manchmal klaustrophobische Atmosphäre des heruntergekommenen Hotels trägt entscheidend zur Stimmung bei. Durch geschickte Kameraführung und kreative Szenenwechsel wird die skurrile Welt, in der Ayzek sich bewegt, lebendig. Jeder Gast und Kollege im Hotel fügt dem Film eine eigene, exzentrische Note hinzu, was für eine lebendige und teils groteske Atmosphäre sorgt.
Doch bei aller visuellen und schauspielerischen Brillanz gibt es auch Schwächen. Der Film scheint sich manchmal in seinen eigenen skurrilen Momenten zu verlieren. Einige Szenen, die auf absurde Komik setzen, wirken überzogen und ziehen sich unnötig in die Länge, was den Erzählfluss unterbricht. Der Versuch, tiefgründige Themen wie Einsamkeit, Sinnsuche und das menschliche Bedürfnis nach Zugehörigkeit humorvoll zu behandeln, gelingt nicht immer und kann stellenweise erzwungen wirken.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Balance zwischen Humor und Melancholie. Während die melancholischen Untertöne in Yılmaz' früheren Filmen oft subtil und wirkungsvoll waren, erscheinen sie hier teils zu stark konstruiert. Der Film wechselt abrupt zwischen tiefgründigen, emotionalen Momenten und absurden, übertriebenen Slapstick-Szenen, was die emotionale Verbindung zum Zuschauer schwächt.
Nichtsdestotrotz ist „Do Not Disturb“ eine originelle Ergänzung in Cem Yılmazs Filmografie. Die Charaktere sind liebevoll gestaltet und ihre Eigenheiten bleiben lange nach dem Abspann im Gedächtnis. Besonders Fans von Yılmaz werden die Fortführung der Ayzek-Geschichte zu schätzen wissen. Auch der kritische Blick auf die Absurditäten des menschlichen Alltags wird hier gelungen und mit einem humorvollen Augenzwinkern dargestellt.
Insgesamt ist „Do Not Disturb“ eine amüsante, wenn auch etwas unausgewogene Komödie, die durch ihre skurrilen Charaktere und starken schauspielerischen Leistungen getragen wird. Wer einen Mix aus absurdem Humor und tiefgründigen Momenten schätzt, wird bei diesem Film auf seine Kosten kommen, auch wenn er nicht immer perfekt harmoniert.